Morrissey - World Peace Is None Of Your Business - Cover
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Morrissey World Peace Is None Of Your Business


  • Label: Harvest/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach fünfjähriger Zwangspause wettert Morrissey wieder gegen Gott und die Welt.

Nachdem Morrissey mehr als fünf Jahre ohne Plattenvertrag künstlerisch kalt gestellt war, aber mit ansehen durfte, wie seine ehemaligen Vertragspartner reichlich Katalogware neu auf den Markt brachten, kehrt der britische Songwriter nun endlich mit dem offiziellen Nachfolger von „Years Of Refusal“ (02/2009) zurück. Bereits im Januar 2014 wurde der Presse bekanntgegeben, dass Morrissey einen Vertrag mit dem Universal-Ableger Capitol Music Group unterschrieben hat, der das zehnte Studioalbum des 55-Jährigen auf dem wiederbelebten Kult-Label Harvest Records (frühere Heimat von u.a. Iron Maiden, Pink Floyd, Deep Purple und Barclay James Harvest) herausbringen würde. Ein halbes Jahr später, nach den Aufnahmen in Frankreich, legt Morrissey „World Peace Is None Of Your Business“ vor.

Auch nach dieser ungewöhnlich langen Plattenpause hat das Publikum Morrissey nicht vergessen. Ein neues Album von ihm stellt nachwievor ein kulturelles Hochereignis dar, über das gesprochen wird. Denn Morrissey gehört zu den wenigen Musikern, die in ihren Texten wirklich etwas zu sagen haben und die sich politisch einmischen. Dafür wird der Brite geliebt und gehasst – aber niemals ignoriert. Das wird auch heuer so sein. Denn Morrissey nimmt den Mund gewohnt voll und wettert reihum gegen den Krieg, Stierkampf, bräsige Wohlstandsbürger, böse Regierungen und Selbstzerstörung. Dazu begleiten ihn Boz Boorer (Gitarre), Jesse Tobias (Gitarre), Solomon Walker (Bass), Matthew Walker (Schlagzeug) und Gustavo Manzur (Keyboards). Eingefangen hat das Spektakel Produzent und Toningenieur Joe Chiccarelli (My Morning Jacket, Counting Crows, The Shins, The White Stripes, The Raconteurs).

Eingeleitet von aus der Ferne schallenden Didgeridoo-Klängen, beginnt Morrissey ganz klassisch mit dem Titeltrack des Albums, der als BritPop-Ballade mit viel Sixties-Flair, aber auch sägenden Gitarrenriffs sofort für einen wachen Geist sorgt. Mit verfremdeten HipHop-Beats und schneidenden Gitarren, einem akustischen Flamenco-Mittelteil und larmoyanten Gesängen sorgt das folgende „Neal Cassady drops dead“ ebenfalls für die gewünschte Aufmerksamkeit. Und wem das noch nicht reicht, der wird mit Geräuschen, die aus dem Maschinenraum eines riesigen Frachtschiffs zu stammen scheinen, in den Song „I’m not a man“ hineingeleitet – ohne dass der Hörer einen Zusammenhang zwischen den Maschinengeräuschen und dem eigentlichen Songinhalt ausmachen kann. Denn „I’m not a man“ ist eine bittersüße Abrechnung mit allen Fleischfressern, denen der militante Vegetarier Krebs an den Hals wünscht. Oha!

Nach diesem starken Intro nimmt sich „Istanbul“ erst einmal eine künstlerische Auszeit und leiert ziellos und unfertig vor sich hin. Der von dem Stück erwartete World-Music-Charakter wird dann etwas überraschend von dem folgenden „Earth is the loneliest planet“ aufgegriffen, während das treibende „Staircase at the university“ den Wave-Pop der 80er Jahre (The Smiths!) zitiert. Das sind die Momente, in denen Morrissey ein greifbarer Popstar ist, der auch mal loslassen kann und nicht immer nur austeilen muss. Das tut Morrissey schließlich schon zur Genüge. Denn schon im nächsten Track, „The bullfighter dies“, genießt er es, dass der Stier überlebt, während der Torero getötet wird.

Damit können die Diskussionen beginnen, wo sich das vorliegende Album in dem nun zehn Longplayer umfassenden Katalog Morrisseys einsortiert. Für ein endgültiges Urteil wird es zwar noch einige Zeit und Hördurchgänge benötigen, doch schon in dieser frühen Phase dürfte klar sein, dass „World Peace Is None Of Your Business“ zu den besseren Werken des Briten gehört. Denn Füllmaterial hält sich in Grenzen, während es in den meisten Songs richtig viel zu entdecken gibt. Das schafft eine Ausgewogenheit, die „gegen“ den lyrischen Krawall genau die richtige „Waffe“ ist.

Anspieltipps:

  • Kiss me a lot
  • Staircase at the university
  • Earth is the loneliest planet
  • Kick the bride down the Aisle
  • World peace is none of your business
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