Amira Willighagen - Amira - Cover
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Amira Willighagen Amira


  • Label: Masterworks/Sony Music
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Amira ist ein beeindruckendes Mädchen, dessen Musik aber natürlich noch die nötige Reife vermissen lässt.

Zuallererst einmal ist ein Drahtseilakt zu vollbringen, denn es ist unglaublich undankbar, über Scheiben wie „Amira“ zu schreiben. Wer ein solches Unterfangen in höchsten Tönen lobt, der steht als naiver Trottel da, der die fehlende Reife der Künstlerin und den Kommerz um sie unberücksichtigt lässt. Gleichzeitig will man ein neunjähriges Mädchen aus den Niederlanden, welches sich mehr oder minder selbst ein Vibrato angelernt hat, seine Musik der verstorbenen Großmutter widmet und seinen Teil der Gewinne großteils für afrikanische Kinder nutzen möchte, nicht lächerlich machen. Sollte auch nur ein Fünkchen Wahrheit in diesen Absichten stecken, dann wäre Hohn über dieses Kind mit dem Quälen von kleinen Welpen und Katzenbabys gleichzusetzen.

Glücklicherweise ist bei „Amira“ der Mittelweg möglich. Die Kinder-Entdeckung von „Holland's Got Talent“ erinnert an Paul Potts und Susan Boyle. Wo bei den Erwachsenen der Kontrast zwischen ihrem unscheinbaren und nicht typisch aufgehübschten Aussehen und ihren schönen Stimmen gezogen wurde, braucht man sich bei Amira Willighagen gar nicht erst bemühen. Sie wirkt wie ein kleiner Engel, der zurechtgemacht von „Nessun Dorma“ bis zu „Voi Che Sapete“ berührende Gassenhauer zum Besten gibt. Entweder kommt einem dabei der Regenbogen hoch oder man ist sofort verzaubert.

Die Musik selbst ist dabei gesundes Mittelmaß. In „Ombra Mai Fu“ und an vereinzelten Stellen des Albums lässt die Qualität des Orchesters merkwürdigerweise nach, doch irgendwie passt dies zum Gesamtbild. Denn auch wenn Amiras Gesang für eine Neunjährige begeisternd ist, weist er eben auch noch Defizite auf. Der kleine Körper Amiras und ihr noch ausbaufähiges Stimmorgan lassen immer wieder ein paar flache Töne zu. Das stört in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein kleines Mädchen handelt, natürlich nicht, doch objektiv betrachtet leidet selbstverständlich die Musik unter der regelmäßig fehlenden Tiefe und Weite des Gesangs.

Mit Leiden sind jedoch ganz bestimmt keine Ohrenschmerzen gemeint. Es fehlt lediglich die emotionale Größe, wenn „Nessun Dorma“ oder „Ave Maria“ erklingen. Es tönt schlichtweg alles ein wenig zu brav aus den heimischen Boxen und funktioniert in erster Linie dann gut, wenn man bereits eine emotionale Bindung zu dem kleinen „Gesangswunder“ aufgebaut hat. Wer frei von solchen Gefühlen ist, der hört auf „Amira“ vermutlich nicht mehr als ein ganz nettes Best-of typischer Klassik-Nummern, die man eben zu kennen hat.

Anspieltipps:

  • Nella Fantasia
  • Ave Maria
  • Nessun Dorma
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