The Wirepushers - Electric Puppetry - Cover
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The Wirepushers Electric Puppetry


  • Label: Plastic Head/SOULFOOD
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Power-Metal-Produzenten zum Rock-Spaßmacher - und erfolgreich dabei!

Sascha Paeth ist neben Robert Hunecke und Michael „Miro“ Rodenberg - alle drei arbeiteten bereits öfter zusammen - eine der Koryphäen, wenn es darum geht, Power- oder Symphonic-Metal-Werke zu produzieren, und das nicht nur auf nationaler Ebene. Alle drei wissen einfach, wie sich das Genre anhören muss und dementsprechend sind sie gefragt. Fans der Bands, bei denen der Herr Paeth die Rolle des Produzenten hatte, werden deshalb hohe Erwartungen an ihn stellen, wenn sie hören, dass er mit einer eigenen Band seine ganz persönlichen Vorstellungen verwirklichen will. Klar, wer bei Projekten wie Avantasia, Kamelot, Rhapsody Of Fire, dem ewigen Geheimtipp Heaven's Gate oder dem großen „Familienprojekt“ Aina (Paeth, Miro, Hunecke und Sommerville) mitarbeitete, hat seinen Ruf weg und wird vielleicht sogar ein wenig auf diesen reduziert.

Im Falle von The Wirepushers wäre dies aber unbegründet, denn limitieren wird sich der Herr nicht lassen. Mit Arne Wiegand (Bass, Santiano), Paul Kettley (Gesang), dem beinahe obligatorischen Stelldichein von einem guten Kollegen, in diesem Falle Robert Hunecke (Schlagzeug), bewegt sich der axtschwingende Paeth in eine komplett andere Richtung: Rock, Alternative, Funk, Indie und Punk statt Doublebass und Drachentöter-Eskapismus. Was kommt beim Debüt „Electric Puppetry“ raus? Ein Album, welches den Anschein macht, dass Paeth mit aller Macht einen Befreiungsschlag ausführen will, das extrem vielseitig die Position eines Portfolios einnehmen kann, das aber ebenfalls überaus vergnüglich und kurzweilig ins Ohr geht. Songs wie „Minimal“, „Natural Born Idiot“, „Finest Girl“ und der Titeltrack rühren das Zweihänderschwert nicht mal mit der Kneifzange an - hier schielen Paeth und seine Mannen eher in Richtung Beatsteaks oder Donots, bringen ihre Ideen bei gesunden Spielzeiten, welche gerade mal die vier Minuten ankratzen, auf den Punkt. Statt der Windmühle soll das Tanzbein geschwungen werden. Und das gelingt den Wirepushers.

Wer unbeschwert abrocken will, ist hier an der richtigen Adresse, denn „Electric Puppetry“ ist schnörkellos, aufs Wesentliche reduziert und gerade dadurch ungemein wirkungsvoll. Abwechslung bieten die leicht funkigen „The Escapader“, „Simplicity“ und „All Is Good“, die räudige Fun-Punk-Nummer „Don't Disturb My Circles“ oder das witzige A-cappella-Experiment „Is There Another Word For It?“. Mit „Tin Soldier“ covern die Jungs einen Hit der Small Faces und bleiben ihm weitgehend treu, während der Rausschmeißer „Stopgap-Rap“ ein im Vergleich zum restlichen Material, völlig abgefahrenes und vielleicht auch unpassendes Sound-Experiment darstellt, welches ein überlanges Gitarrensolo bietet, das von einem dröge herunter gerasselten Text begleitet wird. Immerhin auf textlicher Ebene zwinkern The Wirepushers mit dem Auge: „artsy-fart is how we name it, nothing else than loads of bullshit“ oder „this song is long, it's just to fill to make this CD valuable“ machen es klar und sprechen eine klare Sprache. Und wenn es dann mit „I might change into fantasy and make this thing a trilogy“ arg selbstreferenziell wird, haben auch die Paeth-Jünger ihren Spaß. „Stopgap Rap“ ist dennoch Mist. Allerdings Edel-Mist!

Ein eventuelles Zielpublikum, also Kenner und Liebhaber der Bands mit denen Sascha Paeth arbeitete, wird gar nicht erst angepeilt. Warum sollten das The Wirepushers auch tun? Hier werden ihre eigenen musikalischen Vorstellungen konsequent umgesetzt. Das merkt man den Musikern auch an - sie strotzen nur so vor Spielfreude. Dann am Ende wird die ganze Chose auch noch zum absoluten Familienprojekt, wenn der Neffe Younes Paeth (Cover), Jannik Paeth (zusätzliche Illustrationen) und Bela Paeth (Handschrift der Texte im Booklet) eingebunden werden und die äußere Erscheinung des Albums mitgestalten. Dadurch wird das alles ziemlich straight und ungekünstelt und wer straighten, spaßigen und unbeschwerten Rock mag, wird mit The Wirepushers definitiv glücklich.

Anspieltipps:

  • Minimal
  • Electric Puppetry
  • Finest Girl
  • Don't Disturb My Circles
  • Natural Born Idiot

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