Bob Mould - Beauty & Ruin - Cover
Große Ansicht

Bob Mould Beauty & Ruin


  • Label: Merge Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Ex-Hüsker-Dü-Mitglied ist in die Jahre gekommen. „Beauty & Ruin“ hört man das aber nicht an.

Hüsker Dü sind seit 1994 Geschichte. Die beiden Köpfe dieser einflussreichen Post-Punk-Formation, die 1979 in Minneapolis gegründet wurde, waren Schlagzeuger Grant Hart sowie Gitarrist und Sänger Bob Mould. Vervollständigt wurde das Power-Trio durch den Bassisten Greg Norton. Nach der Auflösung Anfang 1988 ließ Mould mehr, Hart weniger oft von sich hören. Bob Mould veröffentlicht jetzt immerhin schon den elften Tonträger mit Studio-Aufnahmen unter eigenem Namen, nicht mitgezählt die drei Werke seiner Band Sugar. Hüsker Dü waren mit ihrem dynamischen Alternative-Rock stilprägend. Sie verbanden den energiegeladenen Punk-Pop der Buzzcocks mit den flirrenden Harmonien der Byrds und wurden zum Vorbild für Legionen von nachfolgenden Garagen-Rock-Bands.

„Beauty & Ruin“ vereinigt nun alle Qualitäten, die Bob bisher auszeichneten. Auch hier musiziert er wieder in der bewährten Trio-Besetzung mit Bass- und Schlagzeug-Unterstützung. Konzentriert und frisch demonstriert er, dass weiterhin mit ihm zu rechnen ist. „Low Season“ leitet das Album mit einem Noise-Intro ein, um dann kraft- und druckvoll in einen breiig fließenden Gitarren-Lava-Strom überzugehen. Man hört außerdem den melodischen, übermütig gespielten, schnellen College-Rock von Sugar („Little Glass Pill“) und den Power-Pop-Einfluss, der auch einige Kompositionen auf Hüsker Düs „Candy Apple Grey“ so unwiderstehlich machte („I Don’t Know You Anymore“, „Tomorrow Morning“, „The War“). Überschäumend und punkig gibt er sich in „Kid With Crooked Face“ sowie „Hey Mr. Grey“. Locker-flockig rockend zelebriert er „Forgiveness“ und „Fire In The City“. Nahezu poppig kommt „Let The Beauty Be“ rüber und passt somit prima ins selbstbewusste Gesamtbild.

Das Album reflektiert die emotional chaotische Zeit nach dem Tod von Bobs Vater. So war er zwischen Trauer, Zorn und Zuversicht hin- und hergerissen, was sich natürlich auf die Produktion der neuen Aufnahmen ausgewirkt hat. Großspurig, wuchtig, bissig und hymnisch stellt er die neuen Schöpfungen vor. Der heute 53-jährige Bob Mould zeigt sich jugendlich, kämpferisch, aufgeräumt, unverbraucht und vor allen Dingen kompositorisch in bestechender Form. Wüsste man nicht, dass es sich um aktuelles Material handelt, könnte man meinen, jemand hätte eine Zusammenstellung aus seinen besten bisherigen Einfällen gebastelt. „Beauty & Ruin“ gehört somit zu den überzeugendsten Arbeiten seiner gesamten Karriere. Bob Mould steht noch voll im Saft, von Ruhestand keine Spur.

Anspieltipps:

  • Low Season
  • Little Glass Pill
  • I Don’t Know You Anymore
  • Tomorrow Morning
  • The War

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Alles Fliesst
  • 2020    
Diskutiere über „Bob Mould“
comments powered by Disqus