Expire - Pretty Low - Cover
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Expire Pretty Low


  • Label: Bridge Nine Records
  • Laufzeit: 25 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer schreit, hat Unrecht. Ein Sprichwort bestätigt sich in 25 kopflosen Minuten.

Hurra, hurra, Expire sind wieder da! Die ersten Reviews zum Nachfolger zu „Pendulum Swings“ sind da und die Stimmen klingen begeistert. Noch härter, noch schonungsloser und ehrlicher als je zuvor präsentiert sich die Hardcore-Band, die in der Szene für ihr Debüt kräftig gefeiert wurde. Es ist letztlich auch vielleicht nicht mehr als ein aus dünnen Drähten gebauter Zaun, der Euphorie und Unverständnis gegenüber der neuen Scheibe „Pretty Low“ trennt. Denn wo andere die nächste Stufe von Härte preisen, kommt bei weniger brachialen Hörern nichts außer Lautstärke an.

Ja, die Lyrics des Albums sind wie für den Hardcore gemacht. Es wird über die kleinen Dinge geschrien und geflucht, dass sich manch prüder Hörer mit gutem Textverständnis abwenden möchte. Aber wir sind hier im Hardcore-Sektor. Mit leeren Parolen und Glückskeks-Lebensweisheiten kommt man hier nicht weit. Expire wissen, was sie nervt und wie sie ihren Unmut textlich zum Ausdruck bringen können. Die pointierten und spitzen Gefälle des Erstlings haben sich ironischerweise aufgrund der saubereren und druckvolleren Produktion verabschiedet. „Pretty Low“ knallt von der ersten Sekunde des Titel gebenden Tracks mit einer derartigen Wucht und nahezu frei von Höhen und Tiefen, dass die Titel schwer fassbar sind.

Wer sich nicht sofort in den Texten verliert, bekommt teils gar nicht mit, dass die Hälfte des Albums vorbei ist und man mehr als zwei Songs zu hören bekommen hat. Denn so viel Wucht die Platte auch mitbringt, so wenig können die einzelnen Stücke sich abseits des Texts voneinander unterscheiden. Es ballert, knallt und prescht, dass willige Hörer nicht mehr aus dem Bangen kommen, doch wehe dem, der sich nach 25 Minuten daran erinnern will, was er gerade gehört hat. Die weniger sprachgewandten oder aufmerksamen Hörer können bei all der produktiven Wut oft auch nur schwer unterscheiden, was gerade angeprangert wird, und so wird aus potenziell aufwühlenden Botschaften schnell ein Meer aus Lautstärke, welches alle weiteren Aspekte dieser „Musik“ untergehen lässt.

Ein solches Album kann man mögen. Man kann es als Hörer auch vergöttern, wenn eine knappe halbe Stunde in einem Sog aus tobender Sound-Gewalt einfach vergessen werden soll. „Pretty Low“ beschäftigt involvierte Hörer auf einer Ebene grandios und vielleicht sogar genug, dass man auch beim zweiten Hördurchlauf die fehlende Tiefe wegstecken kann. Doch der überproduzierte und zu wenig variierende Klang dieser kurzen tour de force wird bei nicht minder vielen Hörern zu schnell eintretenden Ermüdungserscheinungen führen. Das Album ist wie ein Silvester-Kracher, der mit seinem einfachen Knall entweder kindliche Begeisterung oder lediglich ein nerviges Fiepen im Kopf auslöst.

Anspieltipps:

  • Pretty Low
  • Forgetting
  • Gravity

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