Jonny Two Bags - Salvation Town - Cover
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Jonny Two Bags Salvation Town


  • Label: Isotone Records/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein vielversprechendes Debüt des aktuellen Gitarristen von Social Distortion. Er macht sein eigenes Ding und emanzipiert sich vom Sound seiner Stammband.

Kalifornischer Punk- und Garagen-Rock mit Roots-Rock-Bezügen. Unter diesem Prädikat musizieren Social Distortion seit Ende der Siebzigerjahre. Die Band wird von ihrem Frontmann Mike Ness dominiert, der sie bis heute anführt und ihre Entwicklung bestimmt. Weniger bekannt ist, dass der im Jahr 2000 hinzugekommene Sänger und Gitarrist Jonny Wickersham unter dem Pseudonym Jonny Two Bags seine Solo-Aktivitäten verfolgt. Jonny lebt mit diesem Projekt eine ganz andere musikalische Seite als mit seiner Stammband aus. Er suhlt sich im Westcoast-Rock der Mittsiebziger, lässt Power-Pop-Funken sprühen und streift Country-Rock-Terrain. Stimmlich ist er nicht mit solch einem herben, vom Rock`n`Roll-Leben gegerbten Organ ausgestattet, wie sein Brötchengeber bei Social Distortion. Sein Gesang ist harmonieverliebt und windet sich eher ausgleichend als provozierend um die Noten.

Nicht nur der Einsatz der Stimme, sondern auch etliche Arrangements wie auch die Gitarrenarbeit tragen die Handschrift des Sounds von Jackson Browne, des großen Westcoast-Sound-Veterans aus Los Angeles. Er hatte in den 70er-Jahren seinen Zenit, beeinflusst aber auch heute noch junge Musiker wie z.B. die Dawes. Ganz deutlich wird das bei „Then You Stand Alone”, wo Jackson beim Gesang unterstützt. David Lindley, Jacksons etatmäßiger Gitarrist, lässt hier seine jaulend-treibende Slide-Gitarre aufheulen und seine Saiten noch bei drei weiteren Tracks prägnant schwingen. Den Stil von Jackson Browne kann man auch bei der Anordnung der Instrumente sowie der verwendeten Stimmfarbe von „Forlorn Walls“ und „Wayward Cain“ heraus hören.

„One Foot In The Gutter“ und „The Way It Goes“ sind abgebremste Power-Pop-Titel wie aus dem Lehrbuch. Melodie und Rhythmus sind so aufeinander abgestimmt, dass man diesen Ohrwürmern schutzlos ausgeliefert ist. Das Sahnestück aber bildet „Hope Dies Hard“. Diese elegante, mit feiner Slide-Gitarre ausgestattete Mid-Tempo-Nummer kann man sich auch gut auf einem Tom Petty-Album vorstellen. Eine Affinität zum Irish-Folk verrät der geschmackvolle Akkordeon-Einsatz in „Avenues“ und „Ghosts“, was hier zusätzlich noch durch die Fiddle verstärkt wird.

„Clay Wheels“ ist eine feine, filigrane Ballade, die durch instrumentelle Kabinettstückchen von Akkordeon und Dobro abgerundet wird. Ruhig und abgeklärt wird auch „Alone Tonight“ in Szene gesetzt. Hier spielen die weinende Steel-Gitarre, eine wohlig grummelnde Orgel und dezent eingesetzte Saxophone eine wichtige Rolle bei der stimmungsvollen Ausführung.

Prominente und kompetente Unterstützung erhielt Jonny bei der Instrumentierung seiner Ideen noch vom Elvis Costello-Drummer Pete Thomas. Ferner wirkten als Gäste unter anderem noch Session-Gitarrist Greg Leisz, David Hidalgo von Los Lobos und als Gast-Sängerin Julie Miller, die Ehefrau von Buddy Miller, mit.

Die Songs wurden entsprechend professionell und flüssig eingespielt. Die Ideen sind sehr ansprechend und im besten Sinne solide umgesetzt worden. Für die ganz großen Weihen fehlt Jonny Two Bags noch ein wenig mehr Eigenständigkeit und die Portion Individualität, die die Produktion aus dem Meer von handwerklich exzellenten Veröffentlichungen herausheben würde. Aber was zurzeit noch nicht ist, kann ja noch werden. Das Potential dafür ist auf jeden Fall vorhanden.

Anspieltipps:

  • One Foot In The Gutter
  • Clay Wheels
  • Forlorn Walls
  • Ghosts
  • Hope Dies Hard

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