Elvis Presley - Elvis Sings.... - Cover
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Elvis Presley Elvis Sings....


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 77 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
9.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch eine Elvis-Compilation. Notwendig oder überflüssig?

Schon wieder eine Zusammenstellung mit Aufnahmen von Elvis Presley. Und dann noch ohne exklusive oder besonders rare Stücke. Braucht man das? Diese Kombination steht unter dem Motto: Bekannte Songs namhafter Interpreten in der Version des Kings sollen demonstrieren, wie er den Kompositionen eine individuelle und besondere Note verleihen konnte. Und davon gibt es einige. Schließlich hat Elvis fast nur Fremdmaterial gesungen. Entweder von ihm in Auftrag gegebene Kompositionen oder übernommenes Liedgut.

Das Album richtet sich also in erster Linie an Elvis-Komplettisten oder an Neueinsteiger. Was das Werk auch interessant macht, sind die Liner-Notes des amerikanischen Journalisten Ken Sharp. Hier führt er aus, woher die Inspiration für die Cover-Version kam, wie die Aufnahmen entstanden oder was die Songs für Elvis bedeuteten.

Eine besondere Verbundenheit hatte er zu der Musik von Ray Charles. Aus seinem Repertoire wurden drei Interpretationen ausgewählt. „I Got A Woman“ wurde von Elvis besonders geliebt. Der Titel war ein ständiger Begleiter in seinen Live-Shows. Hier wurde die 1956er Studio-Version, ein Rock`n`Roll-Gospel-Hybrid, beigesteuert. Noch mehr Gospel-Groove verleiht er dem Tanzboden-Feger „What`d I Say“. „You Don`t Know Me“ ist in der Ray Charles-Umsetzung üppig orchestriert. Elvis macht daraus eine schmachtende Ballade, die nur knapp am Kitsch vorbeischrammt.

Fast beiläufig und schnoddrig haut er Bob Dylans „Don't Think Twice, It's All Right” raus. Sein „Tomorrow Is A Long Time“ nahm Elvis im Jahr 1972 als reduzierte Country-Ballade auf. Als Inspiration für die beiden Dylan-Tracks dienten ihm übrigens nicht die Originale, sondern die LP „Odetta Sings Dylan“, die die einflussreiche Folk-Blues Lady Odetta Holmes bereits 1965 veröffentlichte.

Elvis ist auch bekannt für seine opulent und überschwänglich instrumentierten Nummern. Ein Las Vegas Show-Favorit war „You’ve Lost That Lovin´ Feelin´“ der Righteous Brothers. Auch „Bridge Over Troubled Water” von Simon & Garfunkel, „Words” von den Bee Gees und Frank Sinatras „My Way” gehören in diese Kategorie. Da auch „Help Me Make It Through The Night” (Kris Kristofferson), „You Don't Have To Say You Love Me” (Dusty Springfield) und „Something” (Beatles) ein ähnlich üppiges Sound-Gewand tragen, wurde diese Phase aus Elvis` Karriere hier mehr als ausreichend beleuchtet.

Am auffälligsten und eindrucksvollsten sind die rustikalen, Rhythm & Blues grundierten Songs. Sie zeigen den King vital, jugendlich und kraftstrotzend. Das selten gehörte „My Babe“ vom lange unterschätzten Mundharmonika-Wunderkind Little Walter aus der Chess-Records-Talentschmiede und „Got My Mojo Working“ aus der Feder seines Mentors Muddy Waters sind dafür exzellente Beispiele. Auch das mit Funk-Zitaten versetzte, flotte „Promised Land“ vom Rock`n`Roll-Kollegen Chuck Berry und die Live-Aufnahme der unverwüstlichen John Fogerty-Komposition „Proud Mary“ geben gute Eindrücke, wie energisch und speziell Elvis fremde Federn zu eigenen machen konnte.

Elvis erkannte instinktiv, ob ein Song zum Evergreen taugt oder nicht. Aus der Phase seines sensationellen Comebacks im Jahre 1969 stammt die Aufnahme von „Gentle On My Mind“. Geschrieben wurde das Lied vom Country-Folk-Idol John Hartford, der kurz vor seinem Tode noch zum Gelingen des Soundtracks von „O Brother, Where Art Thou“ beitrug. Bekannt wurde der Titel aber in der radiofreundlichen Version von Glen Campbell. Elvis veredelt die von ihm präsentierte Kombination von Funk-Keyboard-Einlagen, sinnlichen Streichern und stimmungsvollen Background-Sängerinnen mit seiner seriösen, selbstbewussten Stimme zu einer eindrucksvollen, packenden Ballade.

Auch „Early Mornin` Rain“, erdacht von Gordon Lightfoot, hatte es ihm angetan. Der Titel ist öfter mal als Bluegrass-Version zu hören und auch Elvis belässt ihn im Country & Western-Umfeld. Im Jahr 1971 spielte er sogar ein vollständiges Country-Album ein. Daraus wurde Willie Nelsons sentimentaler Klassiker „Funny How Time Slips Away“ zur Verfügung gestellt. „I’m So Lonesome I Could Cry” vom Urvater des Americana-Songwriting, Hank Williams, kündigt Elvis als traurigstes Lied, das er jemals gehört hat, an. Seine Version ist eine respektvolle Verbeugung vor diesem großen, stilbildenden Künstler. Dass Elvis auch im Soul zuhause war, beweist er mit seiner Sicht von „Only The Strong Survive“, geschrieben von Jerry Butler, der neben Curtis Mayfield Mitglied der Impressions war. Angelehnt an Clarence Carters „Patches“ hat seine Interpretation die Intensität eines intensiven Gebets.

„Elvis Sings“ ist mit 23 Songs und 77 Minuten Spielzeit prall gefüllt. Davon sind 10 Titel Konzertmitschnitte. Insgesamt sieben Mal hat man es mit Elvis als Entertainer auf der Show-Bühne zu tun. Das Gegengewicht dazu bilden genauso viele im bodenständigen Rhythm & Blues angesiedelte Songs. Country und Folk sind als Haupteinfluss bei sechs Liedern zu hören. Eine bunte Mischung also, die natürlich nur einen kleinen Überblick über das Phänomen Elvis vermittelt. Grundsätzlich falsch kann man aber mit dieser Zusammenstellung nichts machen.

Anspieltipps:

  • My Babe
  • Got My Mojo Working
  • Promised Land
  • Proud Mary
  • I Got A Woman
  • What'd I Say

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