Mellow Mood - Twinz - Cover
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Mellow Mood Twinz


  • Label: La Tempesta
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
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„Twinz“ ist ein stereotypisches Touristen-Programm, das einer Sightseeing-Tour gleich mit den typischen Reizen moderner Reggae-Musik und Pop reichlich und oberflächlich um sich wirft.

Italien nicht sofort mit Reggae-Musik in Verbindung zu bringen, geht absolut in Ordnung. Vor Gentleman und den Dancehall Caballeros von Seeed hätte man dem als hüftsteif bekannten Deutschland sowas schließlich auch nicht zugetraut. Wobei bei solchen Schlüssen natürlich Vorurteile und die Ausblendung der Globalisierung eine große Rolle spielen. Nicht nur kennt jeder heutzutage mit Hilfe eines Mausklicks die entfernten Spinnereien um K-DubStep-Boygroups, auch sind Landesgrenzen schon lange kein Beweis mehr für kulturelle Herkunft. Daher lässt sich auch im schönen Italien problemlos eine Band finden, die sich ernsthaft mit Reggae auseinandersetzen kann.

„Twinz“ von Mellow Mood ist allerdings nicht mit großartig eigenständigen oder „klassischen“ Reggae-Größen zu vergleichen. Am einfachsten lässt sich ihr sehr auf Populärmusik zugeschnittenes Konzept mit dem Seeed-Track „Release“ beschreiben. Mit viel Pop-Appeal und wenig Ecken und Kanten präsentiert sich die Musik sauber produziert und mit den zu erwartenden Einflüssen eines modernen Reggae-Songs. Bei einer Band wie Seeed ist ein solcher Song nur einer von vielen und auch bei weitem nicht ihr bester. Es ist stilechte Hintergrunduntermalung, was nicht nur in einer damaligen Parfüm-Werbung deutlich wurde.

Das Album der Mellow Moods befreit sich im Gegensatz dazu nie wirklich von diesem Pop-Korsett, welches für eingängige Ergebnisse zuständig ist. „Twinz“ ist stets in Bewegung, doch die Bewegungen von Flair und Musik bleiben oft auf einem gefährlich gleichbleibenden Level. Hat der Hörer gerade „Inna Jamaica“ oder „Closed Doors“ gehört? Spielt „Dig Dig Dig“ nicht mit den fast gleichen Strukturen wie „Tun It Up“? Alles wirkt sehr schnell sehr austauschbar. Dass die Band gleichzeitig ihren gelungenen Sound etabliert, rettet den Gesamteindruck für Menschen mit Reggae-Faible, doch die richtigen Leckerbissen bleiben aus.

Wenn der gesuchte Mix die Möglichkeit von knapp 50 Minuten Kopfnicken und authentischer Atmosphäre bieten soll, kann man getrost zu den recht generischen Arrangements der italienischen Reggae-Künstler greifen. Man komme aber bitte nicht auf die Idee, großartige Tiefe oder eigenständige Kniffe am Genre zu erwarten! Deal? Denn nahezu jeder Track lässt sich notfalls auch als unauffällige Nummer in Playlists einstreuen, wenn es wieder etwas konzentrierter und einfacher vonstattengehen soll. Ansonsten werden „Memba December“ und Konsorten ohne große Aufregung bei so mancher Radiostation laufen, da nichts lauter „Sommer“ schreit, als ein möglichst konventionelles Reggae-Album.

Anspieltipps:

  • Twinz
  • Inna Jamaica
  • Memba December

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