Kraftklub - In Schwarz - Cover
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Kraftklub In Schwarz


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Kröftglübb aus Karl-Marx-Stadt tauscht die Coverfarben und geht damit in die zweite Runde.

Ausnahmsweise hat der Promo-Waschzettel der Plattenfirma einmal recht: Kaum jemand, der sich für populäre Musik interessiert, konnte sich in den vergangenen zwei, drei Jahren dem Thema Kraftklub entziehen. Dabei hatte die Band aus Chemnitz musikalisch nun wirklich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und auf ihrem Debütalbum „Mit K“ (01/2012) auch nur ansatzweise etwas Neuartiges oder besonders Originelles dargeboten. Doch die Marketing-Maschinerie lief auf Hochtouren, um den Stil-Mix aus Indie-Rock, Punk und Rap-Einlagen im ganz großen Stil zu breaken und zu hypen.

Dies ist fraglos gelungen. „Mit K“ schaffte es auf Platz eins in den deutschen Album-Charts und auch die drei ausgekoppelten Singles konnten sich in der, ähem, Hitparade platzieren. Damit ist der erste Teil in der Geschichte von Kraftklub abgeschlossen. Nun folgt mit dem zweiten Longplayer „In Schwarz“ die Fortsetzung, einhergehend mit durchaus gestiegenen Erwartungen bei den Fans, aber auch bei der Plattenfirma, die ihre Investitionen über kurz oder lang in Erträge ummünzen möchte.

Dass jede Menge Songs des Kraftklubs bis dato immer latent den Eindruck hinterließen, als wären sie aus Versatzstücken aus dem Katalog der Hives, Arctic Monkeys und den Beatsteaks zusammengeschustert worden, ist sicher keine Auszeichnung, sollte aber im Kontext eines Debütalbums verzeihbar sein. Und scheinbar haben Kraftklub genau an dieser Schnittstelle gearbeitet und ihrem Sound eine größere, eigene Identität spendiert. Denn auch wenn viele neue Tracks auf „In Schwarz“ immer noch dem zappeligen Indie-Disco-Schema folgen, ist der Gesamteindruck diesmal homogener.

Nichtsdestotrotz polarisieren Kraftklub auch heuer mit einem immer leicht plärrenden Gesang, permanenter Dringlichkeit und Texten, die für ihre gnadenlose Plakativität und Möchtegern-Coolness berüchtigt sind. Da ist streckenweise Humorverständnis gefragt. Denn das muss man sich erst mal trauen: Im Opener „Unsere Fans“ drehen Kraftklub den Spieß um und „schießen“ auf ihre Anhänger. Dazu werfen sie argumentativ all das in die Waagschale, was ansonsten Bands von ihren Ur-Fans vorgehalten wird, wenn sie sich stilistisch verändert haben. Diese Ironie-Keule dürfte nicht leicht zu verdauen sein, steckt doch in jeder Ironie auch ein Funken Wahrheit.

Auf diese Weise sind Kraftklub tatsächlich einigermaßen originell. Sie prangern den Diebstahl eines Fahrrads an („Mein Rad“), erzählen davon, was mit besoffenem Kopf passieren kann („Blau“), nehmen in „Alles wegen dir“ die Generation Online aufs Korn, die „alle drei Sekunden ihre Facebook-Seite aktualisieren muss“, holen zusammen mit Casper eine ironische Punkrock-Watschn heraus („Schöner Tag“) und schildern auf ungewöhnliche Art das Thema Verliebtsein („Hand in Hand“). Das alles geschieht in der typisch hibbeligen Indie-Rock-Manier des Kraftklubs, die sich im Vergleich zum Debüt weiterentwickelt hat, aber von einem Sensationsstatus noch meilenweit entfernt ist.

Anspieltipps:

  • Blau
  • Wie ich
  • Für immer
  • Hand in Hand
  • Zwei Dosen Sprite
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