Deleyaman - The Edge - Cover
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Deleyaman The Edge


  • Label: TTO Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Seltsam aber gut: Die Tindersticks, The Church und armenische Folklore verschmelzen zu einer Post-Rock-Ambient-Weltmusik-Band.

Der Amerikaner Aret Madilian mit armenischen Wurzeln gründete im Jahr 2000 die Band Deleyaman, die nun ihr bereits sechstes Album vorlegt. Madilian ist Sänger, Texter, Komponist und Multiinstrumentalist. Zur Seite stehen ihm die französische Sängerin und Keyboard-Spielerin Beatrice Valantin, die schwedische Drummerin Mia Bjorlingsson und der armenische, die Duduk spielende Gerard Madilian Die Drei komponierten gemeinsam mit Aret Madilian die 13 Titel des aktuellen Werks „The Edge“.

Ihre Musik ist nur schwer zu kategorisieren, Einflüsse von Post-Rock, Dark Wave und Ambient treffen auf Weltmusik, insofern eine seltsame Mixtur, die dennoch funktioniert, sehr gut sogar. Die Weltmusik-Komponente lässt sich an der Duduk festmachen, ein Holzblasinstrument, das als armenisches Nationalinstrument oder auch als armenische Flöte gilt. Jene Duduk setzt immer wieder mal exotische Akzente, die sich als stimmig im Gesamtkonzept erweisen und glücklicherweise an keiner Stelle gewollt oder aufgesetzt wirken.

Die Stücke werden in englischer Sprache gesungen, außer in „Murdered Days“ und „Juillet“, bei denen die Lyrics vom bengalischen Poeten Rabindranath Tagore stammen und hier französisch vorgetragen werden. Zudem wird bei „Ethereal Dances“ auf einen Auszug des Gedichtes „To One In Paradise“ von Edgar Allan Poe zurückgegriffen. Dies mag alles ziemlich kunstbeflissen klingen, wird jedoch von Deleyaman in ein kunstvolles und organisches Album transportiert. Dabei gelingen ihnen wiederholt Sequenzen, die Grandezza und Erhabenheit ausstrahlen, den Zuhörer in eine gleichsam fremde wie vertraute Welt entführen.

Hervorzuheben ist zunächst die Stimme von Aret Madilian, die mit einem relativ ähnlich cool-sonoren Timbre wie die von Stuart A. Staples (Tindersticks) daherkommt und hin und wieder von Mia Bjorlingsson flankiert wird. Bjorlingsson überzeugt und bezaubert auch im Solovortrag, bringt dem oft dunklen musikalischen Strom etwas hellere Noten bei, ohne das gesamte Klangbild aus der Balance zu bringen. Die rumorend in Moll gestimmten Stromgitarren treffen auf eine dunkel pochende bis variabel gestaltete Rhythmik. Dazu werden gespenstische bis poetische Keyboardlinien an einen weiten Horizont gemalt, an dem einige Duduk-Brisen mit Luftigkeit, Exotik oder als Hitzeflimmern vorbeiziehen.

Für „The Edge“ sollte sich der geneigte Hörer Zeit nehmen, sich zurücklehnen, besser noch in der Horizontalen verweilen und sich den Klängen hingeben. Nach und nach entführen die Stücke in eine traumverlorene Welt, in der The Church, Tindersticks, The Chameleons oder The Cocteau Twins zwar eine Rolle spielen, jedoch sukzessive im Fluss der Delemayan-Klänge verschwinden. Ein seltsames, umso besseres Album, das anders als andere klingt und vor allem mit seiner poetischen Grandezza überzeugt!

Anspieltipps:

  • Murdered Days
  • The Weight Of Things
  • Ethereal Dances
  • Beatrice 1

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