Umse - Kunst Für Sich - Cover
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Umse Kunst Für Sich


  • Label: Jakarta/Groove Attack
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Rap ohne Aggressionen? Angenehm.

Für den Rap-Nicht-Kenner klingen (fast) alle Songs und damit auch fast alle Bands irgendwie gleich oder zumindest ähnlich. Ein bisschen Variation im Rhythmus, einen Ticken mehr Melodie oder Aggression und schon ist ein neuer Track fertig. Die einzige Möglichkeit sich abzugrenzen, so scheint es, bietet die Textvielfalt. Vielleicht daher das Bedürfnis nach Referenzen zu Geschlechtsteilen, Hasspredigten, Gangstern?

Auch Umses „Mukke“ lässt sich schnell vergleichen. Ab und an klingt er wie die Jungs hinter Massive Töne, was vermutlich an den relativ simpel gehaltenen Beats (oder sollten wir sagen „Beatz“) liegen dürfte. Dieser Vergleich ist vermutlich vor allem gegenüber Umse nicht ganz fair - da er „seit Jahren gegen die Oberflächlichkeit“ kämpft, während die Massiven Töne von ihrer „Einspritzpumpe“ berichten. Da wären wir aber auch schon bei der Grundproblematik angekommen: Differenzierbarkeit deutschen Raps.

Diese wird, wie gesagt, gerne über den Text ausgetragen. Die gute Nachricht: Umse macht in Sachen „Aggro“ nicht mit. Selbstverständlich finden sich auch in seinen Texten Worte wie „Arsch“ und es geht viel um „Party“. Um die geht es aber selbst bei Taio Cruz und der hat mit deutschem Rap so viel am Hut, wie die Rolling Stones mit deutscher Volksmusik.

Umse macht da nicht nur nicht mit. Er lässt sich nicht reinreden („Steck meine Zeit in Rap“), passt partout in keinen Rahmen („Passepartout“) und sieht sich selbst „irgendwo dazwischen“. Während eine gehörige Portion Individualismus in der Musikbranche durchaus von Vorteil sein kann, ist „irgendwo dazwischen zu stecken“ schon wieder nicht ganz einfach. Denn Abgrenzung ist sicherlich wichtig, aber ohne richtige Zugehörigkeit wird es ebenfalls schwierig. Umse steckt eben irgendwo zwischen ganz gut und ganz langweilig, zwischen gewitzt und primitiv, irgendwo zwischen den Zeilen fest. So sehr es ihn ehrt, ohne die Rapklischees auszukommen und andere in seinen Texten zu vernichten, fehlen ein bisschen die pfiffigen wortgewandten Ideen.

Und dann überrascht Umse doch noch: da hat man fast aufgehört zuzuhören und plötzlich erklärt einem Peter Lustig, es sei Zeit, abzuschalten. Das bewirkt natürlich das Gegenteil: man ist wieder voll da. Der Tag der Veröffentlichung von „Kunst für sich“ ist übrigens gleichzeitig Umses Geburtstag und er lädt auch gleich ein: „Du und meine Mukke könnten Freunde sein“. Bleibt nun die Frage, ob diese nette Freundschaftsanfrage angenommen wird. Doch in unserer heutigen Zeit des Freundesammelns, in der auch weniger tiefe Freundschaften immer häufiger werden und irgendwie legitim sind, gibt es eigentlich keinen Grund, Umses Antrag abzulehnen.

Anspieltipps:

  • Freunde sein
  • Passepartout
  • Steck meine Zeit in Rap
  • Für immer dope

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