Eugene McGuinness - Chroma - Cover
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Eugene McGuinness Chroma


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Eugene McGuinness macht keine Kehrtwende und zeigt uns Hörern doch eine völlig neue Seite.

Auf „Chroma“ geht es wieder mit einem starken Retro-Klang zur Sache. Wo sich „The Invitation To The Voyage“ als poppig angehauchter Rockabilly-Ausflug darstellte, ist Eugene McGuinness' neue Scheibe ein eigenständiger Mix, der sich endlich neben gelernten Profis solcher Musik wie Gemma Ray einreihen darf. Ist da irgendwo Motown, 60er-, 70er-, 80er- und Brit-Rock der 90er-Jahre? Wer gerade zu Beginn des Albums seine Fantasie nicht an der allzu kurzen Leine hält, erkennt auch starke Americana-Einflüsse, die sich beim Black Rebel Motorcycle Club gut machen würden.

Ähnlich wie Mika auf seinem Debüt „Life in Cartoon Motion“ versucht McGuinness gar nicht erst, seine musikalischen Ideen unnötig in die Länge zu ziehen. Das beste Beispiel hierfür ist das sehr kurze „I Drink Your Milkshake“, welches einen hervorragenden Kontrast zwischen bedrohlichen Strophen und dem himmlisch süßen Refrain schafft und sogar noch Platz für eine Bridge findet, die an uns' Frank Zappa erinnert. Bei solchen Tracks sucht der Hörer vergebens eine überflüssige Sekunde. Hörer können nahezu wahllos ein Lied auswählen und werden stets vorantreibende und auf die Sekunde abgestimmte Musik finden. Ganz ohne Firlefanz und unnötig unausgegorene Experimente wie noch auf dem letzten Album feiert sich „Chroma“ von treibenden Rockern (z.B. „Amazing Grace“) zu Pop-Rock-Hymnen (z.B. „The Crueler Kind“) und wieder zurück.

Das größte Lob nach dem stürmischen und auf knackige Arrangements ausgelegten Großteil des Albums ist wohl, dass der Engländer problemlos in den fünfminütigen 90er-Jahre-Brit-Pop-Kniefall „All In All“ überleitet. Das lässt vergessen, dass davor mit „Deception Of The Crush“ tatsächlich eine durchschnittliche Nummer unter all den Perlen auftaucht. Aber wie soll man sich bei dieser auf den Punkt gebrachten und ansonsten anstandslosen Leistung auch an einem schwächeren Moment festhalten? Viel zu sehr ist man hingerissen von dieser konzentrierten Leistung, die den Spagat zwischen Konvention und Kunst gnadenlos und mühelos vollzieht.

„Es bleibt spannend zu sehen, was Eugene McGuinness in Zukunft noch alles basteln wird“ waren die abschließenden Worte der Kritik zu „The Invitation To The Voyage“ und Mr. McGuinness hat geliefert. „Chroma“ verdient es, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein. Er nutzt und wandelt das musikalische Erbe großer Künstler in ein inspiriertes und selbstbewusstes Album um, das 2014 pünktlich zur Halbzeit ein ganz großes Highlight verpasst.

Anspieltipps:

  • I Drink Your Milkshake
  • Amazing Grace
  • All In All

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