Trampled By Turtles - Wild Animals - Cover
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Trampled By Turtles Wild Animals


  • Label: Thirty Tigers/ALIVE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Bluegrass-Band mit Rock`n`Roll-Wurzeln hat ihre Reifeprüfung abgelegt und ihr bisheriges Meisterstück abgeliefert.

Andächtig, wie mit höheren Weihen versehen, breiten Trampled By Turtles ihr Instrumentengeflecht und ihren besonnenen Gesang über den zumeist ruhigen Folk-Gospel-Country-Gebilden aus. Den hingebungsvollen Sound erzeugen sie fast ausschließlich mit Saiteninstrumenten, die so raffiniert klingen, dass diese Besonderheit zunächst gar nicht auffällt. Obwohl es kein Schlagzeug und keine elektrisch verstärkten Instrumente gibt, ist der Klang rund, voll und voluminös. Harmonie steht im Vordergrund, sowohl bei den instrumentellen Arrangements, wie auch bei den himmlischen, feierlichen Background-Gesängen, die an die Fleet Foxes denken lassen.

Das ganze Werk klingt so ausgeglichen, gut sortiert und abgehangen, dass man meinen könnte, die fünf Musiker aus Minnesota hätten diese Musik schon mit der Muttermilch aufgesogen. Dabei gründete David Simonett die Band erst im Jahre 2003. Und das war eigentlich eher aus der Not geboren. Ihm war nämlich, nachdem sein Auto geknackt wurde, nicht viel mehr Equipment als eine akustische Gitarre geblieben. Also stellte er eine neue Band zusammen, die unverstärkte Musik spielen sollte. So fand er ähnlich gelagerte, gleichgesinnte Mitstreiter in Ryan Young, der vorher Schlagzeug in einer Speed Metal-Band spielte und nun zur Geige wechselte, sowie in dem ehemaligen Jam-Band-Bassisten Tim Saxhaug. Vervollständigt wurde die Gruppe durch Erik Berry an der Mandoline und den Banjo-Spieler Dave Carroll. Die Musiker verschmolzen ihr Rock`n`Roll-Herz mit der neu entdeckten Liebe zu traditioneller Roots-Music und fusionierten so zu einer progressiven Bluegrass-Band. Jetzt liegt schon ihr 7. Studio-Album vor, mit dem sie sich weiter von dieser eindimensionalen Zuordnung lösen und sich überwiegend als nachdenkliche Singer-Songwriter zeigen. Nur bei zwei Stücken verwenden sie instrumental ein rasant schnelles Tempo, das die Songs vor Lebensfreude überschäumen lassen könnte. Wenn sich nicht der Gesang relativ gebremst und kontrolliert zurückhalten würde („Come Back Home“, „Western World“). Ansonsten regieren hier herzzerreißende Balladen, die wie Seelenbalsam wirken.

Der Song „Wild Animals“ erinnert sowohl an die Beach Boys zu Zeiten ihres melancholisch-mystischen „Surf`s Up“ von 1971 wie auch an die schon erwähnten Fleet Foxes. Ein sinnlich-verträumter Sound lässt die Zeit still stehen. Süße Harmonien, die in Country-Zutaten baden und der überirdisch schöne, chorähnliche Harmoniegesang sorgen dafür, dass dieser fast sechsminütige Track keine Sekunde langweilig ist. Das „Peaceful Easy Feeling“, das schon die Eagles besungen haben, schwingt auch bei „Silver Light“ mit und wird hier zur Vollendung gebracht. Melodie und Refrain sind zum Dahinschmelzen, das ist purer Genuss, der in Wohlklang gegossen wurde. Auch der ländliche Folk-Song „Hollow“ und das kammermusikalische „Lucy“ sind sowas von ausgeruht. Eine entspannende Wirkung geht von diesen Songs aus. Gospel-Feeling haben sie in den klassischen Country-Song „Nobody Knows“ eingebaut. Er wurde mit einem schönen Mandolinen-Solo ausgestattet und lässt sich mit „I Am A Pilgrim“ in der Version der Byrds von ihrem Meilenstein „Sweetheart Of The Rodeo“ von 1968 vergleichen.

Trampled By Turtles schwelgen auf ihrem neuen Opus in Schönheit, ohne daran zu ersticken. Sie lassen ihren Songs Luft zum Atmen und überfrachten sie nicht mit zu vielen Tonspuren. Die Band erlebt Country Music als „White Soul“, also als Verbindung von emotionaler Tiefe mit Aufrichtigkeit und Bodenständigkeit. Mit „Wild Animals“ halten sie jedenfalls erst mal in diesen Bereichen ihre Konkurrenz auf Abstand.

Anspieltipps:

  • Wild Animals
  • Hollow
  • Silver Light
  • Lucy
  • Nobody Knows

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