Will Kimbrough - Sideshow Love - Cover
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Will Kimbrough Sideshow Love


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Geheimtipp gefällig? Will Kimbrough mischt die alternative Country-Folk-Szene von Nashville auf.

Schon wieder ein neuer Name am unübersichtlichen, mit Talenten gespickten Firmament von Nashville? Weit gefehlt! Will Kimbrough ist ein alter Hase, der schon Mitte der 80er-Jahre als Frontmann der College-Rock-Combo Will & The Bushmen in Erscheinung trat. Mit seiner Nachfolgeband The Bisquits brachte er später eine der bemerkenswertesten Roots-Rock-Platten des Jahres 1993 heraus. Das war`s dann aber schon mit diesem kurzlebigen Projekt und Will verdiente seine Brötchen fortan als Session-Musiker oder Produzent für angesagte Leute im Country-Folk-Umfeld wie Josh Rouse, Tom Russell, Rodney Crowell, Emmylou Harris, Steve Earle oder Rosanne Cash - um nur wenige zu nennen.

Eine wahrlich substanzreiche Auflistung, die noch mehr beeindruckt, wenn man weiß, dass Will jetzt schon sein siebtes Solo-Album rausbringt und zwischendurch auch noch das Projekt DADDY mit seinem Kumpel Tommy Womack und die Band Willie Sugarcapps am Laufen hat. Als vielbeachteter und geschätzter Multiinstrumentalist ist er also in Insiderkreisen längst kein Unbekannter mehr und hat zusammen mit David Henry (Cello), Chris Donohue oder Tim Marks (Bass), Paul Griffith (Drums) und Lisa Oliver Gray (Harmony Vocals) ein atmosphärisch dichtes, abwechslungsreiches Werk vorgelegt.

Will Kimbrough bringt den Groove zurück in die Singer-Songwriter-Szene, so wie es schon die Vorreiter J.J. Cale und Tony Joe White taten. „When Your Loving Comes Around” trumpft mit einem lockeren Folk-Groove auf und sumpfig-schwül geht es beim Voodoo-Roots-Rock-Titel „Let The Big World Spin” zu. „Soulfully“ macht seinem Namen alle Ehre. Eine eindringliche, mit Gospel-Backing veredelte Ballade streichelt die Seele. Leute wie Pokey LaFarge oder C.W. Stoneking lassen neuerdings uralten Jazz wieder aufleben und bringen ihn auf den neuesten Stand. Das kann Will auch, denn sein „Home Economics“ schlägt in die gleiche Kerbe.

Will Kimbroughs Emotionalität geht unter die Haut. Er beherrscht unterschiedliche Spielarten tiefgehender, einfühlsamer oder aufwühlender Schwingungserzeugung. Um Vergleiche zu nennen: Einige Lieder lassen sich anhand des Neil Young-Songbooks beschreiben: „I Can Count On You“ klingt wie ein Outtake aus „Harvest“. Ländlich, locker und bodenständig. Nicht nur das Banjo erinnert bei „All We Can Do Is Love“ an Neils sonderbar-entrücktes Meisterwerk „On The Beach“. Schlüssig auskomponiert und harmonisch fein abgeschmeckt ist „Who Believes In You“. Das kennt man so vom Gesamtkunstwerk „After The Goldrush“.

Will Kimbrough beweist sich auch als überragender Multiinstrumentalist, der seine Fähigkeiten sensibel und songdienlich einsetzt. Altersweise und abgehangen überzeugt die Ballade „Has Anybody Seen My Heart“ mit großartigem Folk-Picking und bei „I Want Too Much“ fallen die sich virtuos überlagernden akustischen Gitarrenfiguren auf. Für das Album wurde ein ganz spezieller Klang entwickelt, der auf akustischen Instrumenten basiert. Weniger ist hier mehr. Die Songs klingen, als würden sie ihre Geheimnisse nicht vollständig preisgeben wollen. Um so etwas zu erreichen, braucht man sehr viel Erfahrung. Man muss viel gehört und ausprobiert haben. Will Kimbrough ist spätestens mit „Sideshow Love“ in die erste Liga der zeitgenössischen Songwriter aufgestiegen und hiermit zur Entdeckung freigegeben.

Anspieltipps:

  • When Your Loving Comes Around
  • Let The Big World Spin
  • Soulfully
  • I Want Too Much
  • Has Anybody Seen My Heart
  • Who Believes In You

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