Gemma Ray - Milk For Your Motors - Cover
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Gemma Ray Milk For Your Motors


  • Label: Bronzerat Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemma Ray bietet erwachsene Pop-Musik in vielen Schattierungen für aufgeschlossene Hörer.

Gemma Ray will es wissen. Die aktuell in Berlin lebende, aus Essex stammende Musikerin legt den Horizont ihrer neuen Songs breit an. Sie klappert ihre gesammelten Erfahrungen und Einflüsse nach frischen Inspirationen ab, um ein relativ breites Spektrum an Emotionen und Vorlieben anzubieten. Schon beim Opener „The Wheel“ wird man mit Déjà-vu-Erlebnissen konfrontiert. Da ist dieser Akkord aus Lou Reeds „Perfect Day“, der hier 1:1 verwendet wurde. Das Spiel mit Zitaten und Erwartungen klappt also hervorragend. Durch Howe Gelbs sonor vorgetragene Textpassagen bekommt der Song noch eine unheilvolle, beklemmende Wirkung, die durch Gemma wieder aufgelöst wird. „Shake Baby Shake“ ist die erste Single-Auskopplung. Der Song legt es nicht auf Konfrontation an, sondern ist einfach eine runde Pop-Nummer, die durch das Filmorchester Babelsberg einen seriösen Anstrich bekommt. Auch „Buckle Up“ gehört in die Kategorie Pop-Song. Er ist vollmundig, raffiniert und einprägsam. Genau wie „When I Kissed You“, das akustisch ausgerichtet ist, aber mit dekorativen E-Bass-Spuren verfeinert wird. Dadurch kommen Erinnerungen an das „Twin Peaks“-Thema hoch. Diese geheimnisvolle Stimmung durchzieht auch „Out In The Rain“, das zusätzlich von einer Art Kirchenorgel und Streichern verwöhnt wird. Dramatisch geht es auch bei „Rubbing Out Your Name“ zu: Eine sich steigernde Orchestrierung baut sich hier vor einem cineastisch wirkenden Sound auf.

Einen treibend-dynamischen Latin-Rockabilly-Hybriden hat Gemma mit „The Right Thing Did Me Wrong” geschaffen. Flott geht es auch bei „Old Love” zu. Ein Motown-Sound-Rhythmus bestimmt das Klangbild, dieser wird aber von reserviertem Gesang im Zaum gehalten. Wann hat man schon mal einen dröhnenden Rockabilly gehört, der von himmlisch weichem Gesang überlagert wird? „Motorbike“ bringt diese Gegensätze verblüffend überzeugend zusammen.

„Long Live This Life“ betört mit einer flirrenden, hochgestimmten, langsamen Surf-Gitarre und Tupfern von Vibraphon und Keyboards. Bei „Waving At Mirrors“ kommt zum schwirrenden Gitarrensound noch ein unterstützendes Piano und als Basis ein nur minimal veränderter Orgel-Ton dazu. Auch „Desoto“ ist sehnsüchtig und hat wieder diese attraktive Twang-Gitarre. Gemmas schmachtender Gesang bekommt hier noch eine verängstigte Färbung verpasst. „You Changed Me“ beginnt als dunkle Ballade, geht in einen trotzigen Pop-Song über und verfällt dann wieder in Nachdenklichkeit. Und das läuft immer abwechselnd ab und wird noch durch Streicher abgerundet.

Gemma Ray schreibt ernsthafte, erwachsene Pop-Musik, bei der die elektrischen Gitarren den erhellenden, leuchtenden, wegweisenden Part übernehmen. Sie variiert die Stimmungen, kombiniert geschickt Stile und legt so ein abwechslungsreiches Album mit klugen Kompositionen vor.

Anspieltipps:

  • The Wheel
  • Buckle Up
  • When I Kissed You
  • The Right Thing Did Me Wrong
  • Motorbike

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