Corb Lund - Counterfeit Blues - Cover
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Corb Lund Counterfeit Blues


  • Label: New West Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein echter Cowboy ist nicht automatisch, wer dem White Trash huldigt.

Er jodelt, er singt von hängen gebliebenen Trucks und ist stets der heimattreue Cowboy. Der Hörer muss also gar nicht mal eine übergroße Abneigung gegen Südstaaten-Stereotypen haben, um diese gelebte Heimatliebe als fragwürdig und ein bisschen kleingeistig einzuordnen. Aber manche Dinge ändern sich eben nie. Auf Volksfesten singen ja auch die Deutschen weiterhin von den lustigen Holzhackerbuam und so darf zumindest Verständnis erwartet werden, wenn ein Amerikaner einen auf Cowboy und Rockabilly macht. Glücklicherweise müssen wir es deswegen nicht automatisch gut finden.

Bei Corb Lund klingt alles nach einer Karikatur von Musik, die Europäer seit Jahrzehnten für ausgestorben halten mögen. Und wirklich etwas verpasst haben Hörer solcher Musik nicht. Niemand kann die Art von Country-Musik verbieten und viele Genre-Größen haben dem Publikum auch frei von zweidimensionalen Strukturen etwas geboten, doch auf „Counterfeit Blues“ funktioniert dies nicht. Die Bassline klingt immer gleich und der Gesang ist zwar treffend, aber fast ständig in derselben Stimmungslage. Dazu handeln die Texte oft von Banalitäten, sodass recht schnell Langeweile aufkommt.

„Five Dollar Bill“ ist eine dieser simplen Rock’n‘Roll-Nummern, wie sie auf diesem Album zu häufig vorkommen. Dabei sind diese Rockabilly-Momente noch die Höhepunkte einer gegoren erscheinenden Brühe, die wirklich nur etwas für ganz altbackene Recken ist und in der sich ein ums andere Mal nervtötende Steel- und Slide-Gitarren in ihren weinerlichen Tönen ergötzen und in „(Gonna) Shine Up My Boots“ sogar mal ein Solo spendiert bekommen. Doch wie viel Cowboy-Amerika lässt sich in Kuhweiden-Balladen („Buckin' Horse Rider“) und Trash-Rock („Good Copenhagen“) packen? Es wird nicht klar, ob Corb Lund diese Frage allgemeingültig beantworten kann, doch er dürfte nah dran kommen.

Fazit: Corb Lund scheint Musik für automatisiertes Mitklatschen in Festzelten konzipiert zu haben. Wenn Menschen immer noch davon ausgehen, dass Texas das Herz Amerikas ist und es außerhalb des nächsten Rodeos keine gleichwertige Unterhaltung gibt, dann haben wir uns Alben wie „Counterfeit Blues“ wohl selbst zuzuschreiben.

Anspieltipps:

  • Counterfeiters' Blues
  • Five Dollar Bill

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