JJ - V - Cover
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JJ V


  • Label: Secretly Canadian/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das schwedische Elektro-Pop-Duo JJ manövriert auf seinem dritten Album zwischen kunstvollem Dream- und einschläferndem Esoteric-Pop.

Stehen JJ für die neue Beliebigkeit in der elektronischen Pop-Musik? Das schwedische Paar Elin Kastlander und Joakim Benon hat die Schreibweise seines Bandnamens von Klein- auf Großbuchstaben umgestellt und zelebriert versunken-verträumten Dream-Pop, der hauptsächlich wolkenverhangen inszeniert wird, ohne dabei entscheidend variiert zu werden. Selten gibt es Ausschläge beim Tempo oder bei der Lautstärke. Was als Vereinheitlichung oder Homogenität angelegt ist, kann auch als Gleichförmigkeit ausgelegt werden, je nach Erwartungshaltung. Die Kompositionen werden mit Effekten und Geräuschen garniert und ab und zu gibt es Stilelemente des HipHop zu belauschen. Außerdem werden viele sakrale Beigaben verwendet. Diese führen dazu, dass die Songs eine feierliche Note bekommen. Mit Zitaten aus der Pop-Welt wird offen umgegangen. „Dean & Me“ beleiht Textzeilen aus „It´s My Party“ von Lesley Gore oder es werden windelweiche Synthesizer-Schwaden, die offensichtlich bei Vangelis abgeschaut wurden, eingebaut („Dynasti“).

JJ geben sich auch gerne kunstvoll, was im Trailer zum neuen Album oder bei älteren Videos bewundert werden kann. Die surreale Stimmung der Bilder wird dabei einträchtig von der Musik unterstützt. Das ist ästhetisch und unterhaltsam, wirft aber auch eine gewisse Kühle und Distanz auf. Menschliche Regungen werden häufig in Verbindung zu Ereignissen gebracht, die nachdenklich stimmen. Die Zusammenhänge sind aber nicht immer sofort nachvollziehbar. Dieses Paradoxon findet sich auch in der Musik wieder. Akustische Instrumente und natürlicher Gesang werden mit elektronischen Verfremdungen der Stimme und ebensolchen piepsend-schwirrenden Tönen versetzt. Das Ergebnis ist jedoch oft weder Fisch noch Fleisch, weil die unterschiedlichen Welten isoliert nebeneinander stehen und nicht verschmolzen werden.

Das Album bleibt also eine zwiespältige Angelegenheit, egal wie man es dreht oder wendet. Die Musik kann als Kaugummi fürs Gehirn ohne Herausforderung an den Intellekt angesehen oder als angenehme Berieselung empfunden werden. JJ übertreiben es aber mit dem Wohlklang. Der Zuckerwatte-Sound macht sogar vor dem Rock-Riff in „All Ways, Always“ nicht halt. Unterm Strich ist das Gesamtwerk also doch eher unter Esoteric-Pop einzuordnen.

Anspieltipps:

  • Fagelsangen
  • All Ways, Always
  • Dean & Me
  • All White Everything
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