Jethro Tull - A Passion Play (An Extended Performance) - Cover
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Jethro Tull A Passion Play (An Extended Performance)


  • Label: Chrysalis/WEA
  • Laufzeit: 200 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Erweiterte und von Steven Wilson neu abgemischte Neuauflage des sechsten Studioalbums von Jethro Tull.

In seiner ganzen Entstehung war das sechste Studioalbum von Jethro Tull aus dem Jahr 1973 eine einzige Katastrophe. Und auch der künstlerische Nachhall fiel im Vergleich zu Werken wie „Thick As A Brick“ (1972) und „Aqualung“ (1971) eher bescheiden aus. Trotzdem erhält „A Passion Play“ nun eine Wiederveröffentlichung spendiert, die in Sachen Aufwand und Verpackung dem eines Schlüsselwerks gleichkommt.

„A Passion Play“ (07/1973) sollte im Château D’Hérouville in der Nähe von Paris aufgenommen werden. Doch der Plan scheiterte grandios. Das französische Schloss mit integriertem Aufnahmestudio, in dem in den 70er Jahren u.a. David Bowie, Elton John, Pink Floyd, Iggy Pop, Uriah Heep und Cat Stevens Platten einspielten, wurde zu einer Stätte des Chaos. Nichts funktionierte. Die Studiotechnik streikte, das Catering war ein Desaster und die Unterbringung mehr schlecht als recht, sodass Jethro Tull die Aufnahmen abbrachen und nach England zurückkehrten, wo sich das Finanzamt schon auf die Band freute, die wie so viele britische Künstler in den 60er und 70er Jahren die Steuerflucht ins Ausland angetreten hatte.

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Zurück in der Heimat, wurde nur ein grobes Gerüst der Frankreich-Sessions in den Londoner Morgan Studios aufgegriffen. Und das, obwohl der Band die Zeit davonlief. Die nächste Tournee war gebucht und sollte neun Tage später beginnen. Als Kompromiss wurde aus einem geplante Doppelalbum ein 45-minütiges Konzeptwerk, das aus einem auf zwei Plattenseiten verteilten Song bestand. Geprägt von Ian Andersons markantem Flöten- und Saxophonspiel, wurden Themen wie Wiedergeburt und das ewige Leben in ein kompliziertes Prog-Rock-Epos verpackt, das bei den Jethro-Tull-Fans durchaus für Diskussionen sorgen sollte.

Im CD-Zeitalter wird aus zwei Songhälften zwar wieder eine, diese aber jetzt in 15 Teile untergliedert. Dazu wurde Steven Wilson als Remixer beauftragt, um dem Album einen neuen Sound-Glanz zu verleihen. Ian Anderson übertrug ihm die volle künstlerische Freiheit, die es sogar erlaubte, ganze Parts zu verschieben bzw. rauszuschneiden. Das Ergebnis liegt nun in Form einer opulenten Box im DVD-Format vor, die neben dem wie geschildert überarbeiteten Originalalbum auch die „Château D’Hérouville“-Sessions im Remix von Steven Wilson beinhaltet – und zwar auf CD und DVD Audio. Sound-Freaks kommen so in den Genuss von 5.1 Surround- (DTS 96/27 und Dolby AC3) sowie 96/24-Stereo-Abmischungen. Geschichtsfanatiker werden sich zudem an dem 80-seitigen Buch erfreuen, das in die Box eingearbeitet wurde. Angeboten zu einem sehr fairen Preis, ist der Erwerb von „A Passion Play“ als Neuauflage deshalb ein rundum gutes Geschäft.

Anspieltipps:

  • Sailor
  • Best friends
  • Overseer overture
  • 10:08 to Paddington
  • The story of the hare who lost his spectacles
  • Skating away on the thin ice of the new day
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