Ion Vein - Ion Vein - Cover
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Ion Vein Ion Vein


  • Label: Mortal Music/CARGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn nach vielen Jahren der US-Power-Baukasten vom Dachboden geholt wird.

Das muss man sich mal vorstellen: Geschlagene elf Jahre hat es gedauert, bis sich die US-Power-Metaler von Ion Vein mit einem vollwertigen Longplayer zurückmelden. „Reigning Memories“, der Nachfolger des 99er-Debüts „Beyond Tomorrow“, erschien im Jahre 2003 - lediglich zwei digital veröffentlichte EPs folgten nach einer schon damals langen Durststrecke in den Jahren 2011 und 2012. Auch wenn das selbstbetitelte Album streng genommen nur zu 50% neues Material bietet - sechs der zwölf Songs sind remixte und remasterte Versionen des EP-Materials -, freuen sich die Fans der Underground-Heroen aus Chicago ein Loch in den Bauch. Der Neuzugang Scott Featherstone (Gesang), Chris Lotesto (Gitarre, Keyboard, Percussion) und Chuck White (Schlagzeug, Percussion) machen genau da weiter, wo sie aufgehört haben und bieten zünftigen, druckvollen US-Power-Metal, der von einer extrem guten Produktion (Neil Kernon, bekannt von Judas Priest, Nevermore, Redemption) profitiert.

Akzente setzen Ion Vein allerdings so gut wie keine. Natürlich ist dies besonders dann kein Muss, wenn man traditionsbewusst voran geht und sich an Grundsätze und Schemata hält, von denen man weiß, dass sie funktionieren. Die zwölf Kompositionen auf dem dritten Album der Musiker aus dem Bundesstaat Illinois leiden aber deutlich darunter und lassen ahnen, dass das Trio eher darauf geachtet hat, streng nach den Regeln des Baukastens zu arbeiten, anstatt dafür zu sorgen, dass sich ein eigener und dynamischer Sound mit Wiedererkennungswert entwickelt. In Sachen musikalische Klasse und Virtuosität sind Ion Vein aber unantastbar - zumindest wenn der Hörer eine Affinität für einen sehr riff- und rhythmusbetonten Metal hat, der durch die bereits erwähnte Produktion nochmal an Druck gewinnt. Wirkliche Abwechslung findet sich aber kaum. Wahrscheinlich hatte die Band eher den Wunsch, ihrer Hörerschaft mit aller Macht die Gehörgänge durchzupusten, als ihr interessante Songs zu bieten. Das schaffen sie sogar exzellent. Aber wird Otto-Normal-Metaler in jener Hinsicht nicht zu ganz anderen Dingen greifen? Zeigen nicht Gruppen wie Jag Panzer oder Iced Earth seit Jahrzehnten, dass Power, Melodie und in gewisser Hinsicht auch die kleine Prise Theatralik, Hand in Hand gehen können und den US-Power zu dem machen, was ihn vom Euro-Power so unterscheidet?

Ion Vein verpassen so einige Chancen, welche ihnen bei all dem gegebenen Talent am Instrument so sehr zupass gekommen wären. Ihr dritter Longplayer wird so zu einer eher unausgegorenen Angelegenheit, die höchstens Fans, Genreliebhabern und -kennern irgendetwas geben kann, bei jedem anderen aber nochmal abbaut, wenn man sich die Konkurrenz und Alternativen anschaut. Das kleine bisschen Mut, ein wenig mehr Inspiration und vielleicht auch das Sprengen der mit aller Macht selbst angelegten Ketten des Genres täten den Amerikanern gut. Denn was drauf ham´se - es müsste nur in die richtige Richtung navigiert werden.

Anspieltipps:

  • Take Me From This Dream
  • The Will Of One

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