Motörhead - Aftershock (Tour Edition) - Cover
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Motörhead Aftershock (Tour Edition)


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 105 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Humor à la Lemmy: „Hat irgendjemand hier unser neues Album gekauft?“ „Yeeeaaahhhh!“ „Hhhmm, ihr hättest es klauen sollen, das wäre günstiger gewesen, har har har!“

Noch nicht einmal ein Jahr ist das aktuelle Album von Motörhead auf dem Markt, da bekommt es auch schon ein Upgrade spendiert, das die Hardcore-Fans in die Situation bringt, das Werk nun noch einmal kaufen zu müssen, wenn sie in den Genuss der Bonus-CD kommen wollen, die der „Aftershock Tour Edition“ beiliegt. Promotion-Floskeln wie „Dankeschön an die Fans“, die aufgrund der Erkrankung von Frontwarze Lemmy Kilmister mit diversen Konzertverschiebungen bzw. Absagen leben mussten, sollte sich das Label deshalb besser sparen. Denn dieses Dankeschön, das jeder Fan haben möchte, kostet einfach unnötig viel Geld, weil „Aftershock“ ein zweites Mal erworben werden muss.

Ist der Motörhead-Fan dazu bereit, erhält er eine topaktuelle Live-CD mit 14 Tracks, die von Produzent Cameron Webb zusammengestellt wurden und auf den Titel „Best Of The West Coast Tour 2014” hören. Darunter befinden sich neben einigen, wenigen neuen Titeln die Crème de la Crème des Motörhead-Backkatalogs, mit Klassikern wie „Ace Of Spades“, „Overkill“ oder auch „Killed By Death“ in allerbester Rumpel’n’Roll-Manier. Der Sound ist absolut in Ordnung und betont Lemmys Bass mehr als Phil Campbells Gitarre. Das ist durchaus cool und sorgt für amtlichen Druck auf dem Kessel, auf diesem neuerlichen Live-Output der britischen Hardrock-Schmiede.

Die ursprüngliche Besprechung: Lemmy Kilmister, der Mann, von dem es heißt, dass nur er und ein paar Küchenschaben sämtliche Katastrophen überstehen könnten, musste im vergangenen Sommer gesundheitsbedingt Konzerte absagen. Das Herz und ein Bluterguss machten Probleme! Dementsprechend groß war die Sorge: Sollte es das mit Motörhead gewesen sein? Die eindeutige Antwort lautet: Nein! Die Party geht weiter - und zwar konkret mit dem 21. Album der Band, getauft auf den deutlich untertriebenen Namen „Aftershock“, zu deutsch: „Nachbeben“. Denn ein Nachbeben ist diese Scheibe auf gar keinen Fall - das würde ja bedeuten, Motörhead schalten einen Gang zurück und gehen die Sache eher ruhig an. Und wenn Motör-fucking-head eine Sache wohl niemals machen werden, dann ist es, einen Gang zurückschalten. Ist doch klar. Schließlich meinte schon Dieter, der cholerische Biker aus Brösels „Werner“-Filmen: „Das muss drücken im Gesicht, sonst taugt das nix.“

Und als hätten wir es geahnt: Der Opener „Heartbreaker“ wütet doch tatsächlich los wie ein vom Wahnsinn gepackter Stier. „Acousticshock“ wäre vielleicht doch der bessere Albumtitel gewesen, so wie das hier knallt. Auch das darauffolgende „Coup De Grace“ greift diese gewohnte Motörhead-Direktheit auf - ein Beben, das sich erst mit dem anschließenden „Lost Woman Blues“ zeitweise wieder legt, denn auch dort werden nach drei Minuten alle Bremsen über Bord geworfen und der Rock’n’Roll-ICE wieder in Fahrt gebracht. Im Übrigen: Ein verdammt guter Song, dieser Blues, mit seinen klagenden Soli - ein Highlight, nicht nur im Rahmen dieses Albums. Danach geht es eher konventionell weiter, also Motörhead-konventionell: „Do You Believe“ greift diese ganze „Rock’n’Roll ist meine Religion“-Thematik noch einmal auf, „Death Machine“ ist diese gewohnt düstere, etwas weniger rasante Nummer, die es immer mal wieder im Repertoire der Band gibt und „Crying Shame“ entpuppt sich als verführerischer Hüftwackler, wie nur Lemmy und seine Mannen ihn zustande bekommen.

Überhaupt finden sich zahlreiche Motive vergangener Motörhead-Platten auf „Aftershock“ wieder - aber das ist keine Neuigkeit. Wer bei Motörhead so etwas wie Veränderungen sucht, hat das Konzept nicht verstanden. Hier geht es um ganz andere Attribute: um Beständigkeit und Verlässlichkeit. Nicht grundlos kommen die Herren Kilmister, Campbell und Dee immer zur gleichen Jahreszeit auf Tour. Einige Bands arbeiten eine gefühlte Ewigkeit an neuem Material, durchdenken jeden Track hundertmal - Motörhead machen einfach.

Jeder Longplayer offenbart nur eine Momentaufnahme, die Songs sind spontan, kurzatmig und sich dadurch manchmal recht ähnlich - womit wir wieder beim Lieblingsargument vieler Kritiker wären. Für die einen ist Motörheads Stärke, was für die anderen Motörheads Schwäche ist. „Aftershock“ bleibt so oder so ein gelungenes Album, keine unangefochtene Perle im Backkatalog der Band, aber eine Platte mit zahlreichen klassischen und ein, zwei außergewöhnlichen Motörhead-Songs. So läuft das nun mal, take it or leave it.

Anspieltipps:

  • Lost Woman Blues
  • Crying Shame
  • Heartbreaker
  • The Chase Is Better Than The Catch – Live
  • Killed By Death – Live
  • Going To Brazil – Live

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