J.B.O. - Nur Die Besten Werden Alt - Cover
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J.B.O. Nur Die Besten Werden Alt


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 57 Minuten
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1.5/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Mario Barths des Heavy Metal: So lustig wie Creutzfeldt Jakob und genauso aktuell.

Wenn du Power Metal machen willst, dann sei energiegeladen. Wenn du Thrash Metal machen willst, dann sei angepisst. Wenn du lustig sein willst, dann sei verdammt nochmal ein Genie oder lass es sein! Und um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, J.B.O., das James *zensiert* (Blast… ja, das finden die immer noch lustig) Orchester, haben das noch nie verstanden und wollen und werden das auch nicht. Wem nützt es denn auch bitteschön, wenn dem ehemals so bierernsten Metal mit aller Macht Humor eingeflößt werden soll, die Interpreten selbst aber gar kein Gespür für solchen haben? Während es Bands wie The Black Satans, Gävel, selbst Edguy oder Brechstangen-Parodisten wie Nanowar verstanden haben, kommen sich J.B.O. allen Ernstes immer noch lustig vor.

Das große Problem von „Nur die Besten werden alt“ ist ein altes und streng genommen eines, welches die gesamte Diskographie der Band durchzieht. Die Songs sind einfach nicht zeitlos und dazu prädestiniert, irgendwann mitsamt den Tonträgern, auf die sie gebannt sind, in einer großen, dunklen Truhe irgendwo auf dem Dachboden zu verstauben. Was man vielleicht mit 13, 14 oder 15 Jahren noch irgendwie ulkig fand, wird bald ein Guilty Pleasure. Und wenn es ganz hart kommt, eine Peinlichkeit, zu der sich nur derjenige (passiv) bekennt, der möglichst anonym im Publikum eines Festivals steht, und versucht, sich J.B.O. als nostalgisch verklärtes Relikt seiner Jugend schönzureden.

Wer lacht denn heute noch über einen Song wie „Ällabätsch“, in dem sich die Band über Aaron Carter lustig macht? Aaron who??? Wie kann so etwas über die Jahre witzig oder gar bissig bleiben? Wie will eine Metal-Band, die eigentlich grundsätzlich das Potenzial besitzt, unterschiedliche Generationen anzuziehen, mit obsoletem Quatsch im Jahr 2014 neue Hörer für sich gewinnen?

Wenn es um Coverversionen geht, ist „Schools Out“ von Alice Cooper immerhin ein guter Nährboden, handelt es sich doch um einen Klassiker. J.B.O. übersetzen ihn einfach ins Deutsche. Nicht, dass sie das zum ersten Mal machen - plump und irgendwie zum Fremdschämen ist es aber trotzdem. Braucht man so was wirklich? Diese Frage stellt sich spätestens dann, wenn Lou Begas „Mambo No. 5“ geschlagene 15 Jahre und ein paar Wochen nach dem ersten Charteintritt für „Metal No. 666“ herhalten muss. Ja, genau: ein Cover von „Mambo No. 5“. Auf einem Metal-Album. Für Metaller. Oder doch eher für Menschen, die im Jahre 1999 stecken geblieben sind? Und von einer Band, die weder die Zeichen der Zeit verstanden hat, noch irgendwie in der Lage ist, Parodie und Satire auch nur in Ansätzen clever rüberzubringen bzw. sie der heutigen Zeit anzupassen?

Nur noch unterboten wird das vom ohnehin grausigen „Life Is Life“ (Opus), hier „Death Is Death“, und von „McDeath“: „Nananana, ich hasse es.“ Jeder Fünftklässler (alle älteren Menschen wären sich zu schade), der so einen Witz reißt - vorausgesetzt er kennt das Original, hätte für solch eine Unlustig- und Kreativlosigkeit eins auf die Fresse bekommen. Und zwar zu Recht! Nachdem sich der Hörer also fragt, ob er so was braucht, fragt er sich danach, ob J.B.O. ihr Publikum auch nur in Ansätzen ernst nehmen bzw. ob sie gar an dessen Intelligenz zweifeln.

Oder an dessen Sinn für Humor? Jeder, der in seinem Leben mal wirklich lustige - und ja, es muss nicht mal geistreich sein - Musik oder Comedy erlebt hat, wird wie eh und je die Hände über den Kopf zusammenschlagen, wenn er entdeckt, welches Geistes Kind J.B.O. wirklich ist. Das eigentlich ganz nette „Vier Finger für ein Halleluja“ reißt da genauso wenig raus, wie die gar nicht mal so blöde Persiflage in Form von „Mittelalter“. Jedes bisschen Potenzial wird letzten Endes von Skits, mit denen die Band musikalische Pfade verlassen will, so sehr zunichte gemacht, dass es nicht mehr nervt, sondern wirklich wütend macht und „Nur die Besten werden alt“ am Tiefpunkt zerschellen lässt.

Das einzig Ironische ist, dass die Band selbst ihren Humor in naivster Art und Weise so ernst nimmt, dass nicht mal augenzwinkernde Antiwitze dabei rauskommen, sondern Unlustigkeiten, die Unlustigkeiten bleiben und allenfalls einem besonders einfach gestrickten Publikum ein Schmunzeln entlocken werden. Naja, Humor ist ja bekanntlich die komplizierteste Sache der Welt. Ist Humorlosigkeit dann einfach? Vielleicht. Und in diesem Falle sollte es gar nicht schwer sein, vom zehnten Longplayer der Band einfach die Finger zu lassen. Fazit: Bitte lieber Gott, sei J.B.O.s Seelen gnädig.

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