Interpol - El Pintor - Cover
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Interpol El Pintor


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch ohne Dengler: Interpol liefern!

Interpol. Ein Monolith des düsteren Alternative Rocks. Nicht weniger als vier herausragende Alben veröffentlichte der Vierer aus New York in den vergangenen zwölf Jahren. Alle Longplayer waren gespickt mit tanzbaren Indie-Tracks („Slow Hands“, „Heinrich Maneuver“) und bedrohlichen Hymnen („Pioneer To The Falls“, „The Undoing“), die Handschrift von Paul Banks (Vocals), Sam Fogarino (Drums), Daniel Kessler (Gitarre) und Carlos Dengler (Bass) blieb dabei immer unverkennbar und machte die Band zu einer der faszinierendsten unserer Zeit. Besonders Letzterer hob die ohnehin starken Songs mit virtuosem Bassspiel häufig auf eine noch höhere Ebene und trug maßgeblich zum charakteristischen Stil des Quartetts bei.

Als 2010 auf dem Cover von LP Nummer vier der Bandschriftzug effektvoll zerbröselte war klar, dass ein Kapitel endet und dass nichts mehr sein würde wie zuvor. Dengler machte sich vom Acker, zurück blieb ein Trio mit einer ungewissen Zukunft. Klar, Banks und seine Kollegen verfügten über die songwriterischen und handwerklichen Fähigkeiten, den scheidenden Bassisten zu ersetzen, dennoch fragte sich die besorgte Fangemeine, ob Interpol jemals wieder die Qualität früherer Tage erreichen würden.

„Feels Like The Hole World Is Upon My Shoulders“

So sah sich die Band einer Erwartungshaltung ausgesetzt, an der viele andere Formationen zerbrochen wären. Banks hatte zuvor bewiesen, dass er auch alleine hervorragende Songs schreiben kann und Fogarino und Kessler sind zwei handwerklich fantastische Musiker, in der Lage, jede neue Idee, jeden Geistesblitz in den bandtypischen Sound umzusetzen. Dennoch liefert die jüngere Vergangenheit genügend abschreckende Beispiele von Bands, deren künstlerische Qualität nach einem Personalwechsel gelitten hat. „El Pintor“ ist die erste LP nach Dengler, ein Neuanfang.

„Fuck The Ancient Ways“

Was früher war ist Geschichte, der Blick geht nach vorne. „All The Rage Back Home“ startet in sich gekehrt, entwickelt sich später aber zu einem treibenden Rocker, der sich vor früheren Singles der Band keinesfalls verstecken muss. Die zweite Auskopplung „Ancient Ways“ treibt Fogarino mit seinen Drums an, während Banks über Vergangenes flucht. Beide Singles gefallen und glätten so manche Sorgenfalte. Das Beste haben sich Interpol fürs Album aufgehoben. „My Blue Supreme“ wechselt zwischen hohen und tiefen Gesangparts, getragen von der wohl catchiest Melodie, die Kessler bei Interpol jemals spielen durfte. Überhaupt sind es seine groovigen Parts, die auf „El Pintor“ die zentralen Akzente setzen, so auch in den starken „My Desire“ und „Same Town, New Story“. Mehr denn je stellt die Band die Finsternis und Kälte, die alleine durch Banks Organ jedem Song zwingend innewohnt, markanten und eingängigen Melodien gegenüber, die die Stimmung der Tracks aufhellen und der Band bisweilen ein Soundgewand verpassen, das auf früheren Alben komplett fehl am Platz gewesen wäre. Manchmal klingt „El Pintor“ sogar fröhlich und optimistisch.

„Only One In A Hundred Make It“

„El Pintor“ beweist, dass auch die früheren Meisterwerke der Band kein künstlerischer Alleingang ihres Überbassisten waren. Banks, Kessler und Fogarino zeigen, dass sie auch zu dritt genug Kreativität und Talent besitzen, um im kommenden Kapitel der Bandgeschichte stark abzuliefern. Somit bleibt die Band auch in Zukunft einzigartig und über die Maßen relevant. Und seien wir mal ehrlich: Ein größeres Kompliment kann man einer Band in der heutigen Musiklandschaft eigentlich gar nicht machen. Danke Paul. Danke Sam. Danke Daniel. Danke Interpol.

Anspieltipps:

  • All The Rage Back Home
  • My Desire
  • Anywhere
  • Same Town, New Story
  • My Blue Supreme
  • Ancient Ways

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