HammerFall - (r)Evolution - Cover
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HammerFall (r)Evolution


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Gerade erst von der Infektion geheilt und schon wieder mit dem Zauberschwert am Rumpöbeln.

Was ist schlimm? Wenn eine Power-Metal-Band aus dem Power-Metal-Baukasten Jahr für Jahr für Jahr streng nach Bauanleitung ihr Set immer wieder aufbaut. Was ist schlimmer? Wenn sie irgendwann wie aus dem Nichts einen Imagewandel versuchen will und alle Welt plötzlich merkt, dass diese ganze Limitierung von damals ja eigentlich eine Stärke gewesen ist. Willkommen in der bunten Welt von HammerFall, die für kurze Zeit ziemlich „Infected“ war und nach einer raschen Quarantäne wieder voller stolzer Krieger, Drachen, Hämmer, Schwerter, Äxte und Glory ist. Nach dem Regen kommt die Sonne und dann kommt der Regenbogen in Form von Joacim Cans' lustiger Meute, die fröhlich ihren Beitrag zum Power-Metal-Jahr 2014 (Gamma Ray, Sonata Arctica, Sabaton, Edguy, nur um einige zu nennen) leistet.

Da sind sie also wieder, die Rhapsody Of Fire aus dem Norden, die Manowar aus dem Småland, die True Metaler, welche im Wust aus zig tausend italienischen Vertretern gerade mal durch ihre Bekanntheit hervorstechen konnten und können. Selbst wenn bei einer Band wie HammerFall immer wieder laute Stimmen ertönten, die Innovationen forderten, ist es dann am Ende doch versöhnlich, wenn sie mit „(r)Evolution“ um die Ecke kommen und der typische Sound der Band umso mehr wie eine Bombe reinhaut. Coca-Cola haben es im Jahre 1985 nicht anders gemacht, als sie ihre Rezeptur änderten, schon bald wieder die alte Coke einführten und diese sich daraufhin weitaus besser verkaufte, als vor dem Wechsel. Nach „Infected“ sollte es bei „(r)Evolution“ genauso sein. Der Name des Albums spricht Bände - dabei ist streng genommen kaum etwas geschehen.

Stattdessen passiert auf „(r)Evolution“ all das, wovon man die Fans anhand des ungeliebten Vorgängers getrennt hat: Songs wie „Hector's Hymn“, „Bushido“, „We Won't Back Down“ und „Wildfire“ sind waschechte Hymnen, vollgestopft mit Ohrwurmmelodien, Mitgröl-Passagen, Männerchören, virtuosen Soli und witzigen Vokäbelchen wie Steel, Battle, Sword oder Warrior. Ja, das war schon immer panne und wird es immer bleiben. Wer sich aber heute allen Ernstes noch darüber aufregt, so etwas dämlich findet oder mit Leidenschaft verschmäht, hat das Genre und seine Regeln nicht verstanden. Auf ihrem neunten Album sind HammerFall immer noch nicht die cleverste Band, beweisen aber, dass sie sowohl das Genre als auch ihren eigenen Sound vollkommen verstanden haben. Somit erwartet den Hörer wieder eine Band, die nicht nur mit sich selbst anscheinend wieder vollkommen im Reinen ist, sondern auch souverän eine gewisse Mindestqualität anbieten kann und den Fan sicher nicht enttäuschen sollte. Auch mit einem Stampfer wie „Ex Infernis“ oder einem Freedom Call´schen Happy Metaler wie „Origins“ machen die neuen alten HammerFall nach wie vor eine gute Figur.

„Winter Is Coming“ ist dann schon alleine durch seinen Titel und den gar nicht erst zu übersehenden Verweis auf Game Of Thrones (Themen wie die Mauer, Nachtwache, Schattenwölfe oder erste Menschen scheinen übrigens im Metal ganz besonders beliebt zu sein) ein klarer Gewinner, der durchaus neue Fans an Bord ziehen sollte. Nebenbei handelt es sich hier um eine der besseren HammerFall-Balladen. Für die Schweden ist das schon ein kleiner Erfolg. Ein kleiner Erfolg unter vielen größeren, den die Band bitter nötig hatte, um wieder auf der Bildfläche enttäuschter Fans zu erscheinen. Mit „(r)Evolution“ ist ihnen das mit Sicherheit gelungen. Für einen Klassiker reicht es letztlich definitiv nicht - nicht mal für einen Klassiker innerhalb der eigenen Diskographie. Fans sollten dennoch am Ende ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht haben. Und es sei ihnen gegönnt.

Anspieltipps:

  • Hector's Hymn
  • We Won't Back Down
  • Winter Is Coming
  • Wildfire

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