Caribou - Our Love - Cover
Große Ansicht

Caribou Our Love


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das stilprägende Meisterwerk im Nacken: Daniel Snaith und die endgültige Verwandlung zum reinen Electro-Act.

Was war das nicht für ein Sound, damals im Frühling vor vier Jahren, der sich wohlig warm, wie ein Film oder eine stetig steigende Flut, über einen legte und blieb. Den ganzen Sommer über, mindestens. „Sun“, „Bowls“, „Odessa“: filigrane, sensible Tanzmusik mit gehobenem Herstellungsanspruch, frei von niederen Instinkten. Hedonisten und Eskapisten glücklich vereint auf dem Dancefloor, unter den Kopfhörern, auf der Naherholungswiese. Das Album des Jahres „Swim“, es war ein stilprägender Eckpfeiler was feingliedrig-komplexe elektronische Musik mit den strukturellen Mitteln des Popsongs herzustellen vermag. Gewiss, der eine oder andere DJ und Beat-Schmied zeigte uns dies schon vorher, aber nicht in unserem gewohnten Strophe-Refrain-Kosmos.

Doch der Weg für diesen fusionierenden Tanz der Musikstile verlief relativ geradlinig für Daniel Snaith aus Toronto, promovierter Mathematiker und langjähriger Londoner. Von Dream-Pop, von reiner Band-Musik, zum Hybrid Folktronica wurden die Zugänge, Anschlüsse, Ausgänge und Endprodukte sukzessive immer digitaler, von seinem ersten Alter Ego Manitoba bis zu den ersten beiden Caribou-Alben. So wundert es also nicht, dass in der Zeit zwischen „Swim“ und dem nun vorliegenden „Our Love“ Snaith als DJ, unter dem Pseudonym Daphni, Afro-Beat-lastigen Experimental-House feinster Couleur in die Aktivlautsprecher der Berghains dieser Welt pumpte.

Snaith ist zum reinen Electro-Act geworden. Wer ihn vor „Swim“ kannte, muss sich daran erst gewöhnen. Es ist im Grunde keine Band mehr nötig für die Darbietung des Caribou-Sounds, auch wenn er sich dies wohl nicht nehmen lassen wird. Zwischen Caribou und Daphni gibt es nur noch Themen-, nicht mehr Strukturunterschiede. Das einzig echte Manko dieses würdigen Nachfolgers ist: „Swim“ war organischer, war als Album eine Einheit, eine Kopfkino-Gefühlsreise.

Im Vergleich dazu ist „Our Love“ eine Ansammlung, mit einem deutlichen, skipbaren Hänger im Mittelteil um den schwachen, schwachen Vocal-Guest-Beitrag von der eigentlich tollen Landsfrau Jessy Lanza. Aber natürlich hat Snaith den Zauber gefühlsbetonter Beatproduktion nicht verlernt. Was sind „Can't Do Without You“, „All I Ever Need“ und „Our Love“ für zarte Blüten unaufdringlicher Beat-Rhythmisierungen und klug gesampleter Melodieaufschichtungen. In den besten Caribou-Momenten sind lichtdurchflutete Szenerien zu sehen, in denen Staub- und Luftpartikel plötzlich sichtbar werden, die Realität eine feinere, konkretere Farbe bekommt.

Trotz einiger dahinplätschernder Electronica-Augenblicke ist „Our Love“ toll geworden, wenn auch nicht bahnbrechend. Nicht zuletzt dank erhabenen Endspurts mit „Mars“ und „Your Love Will Set You Free“. Ob Snaith verschiedene Alter Egos in Zukunft noch braucht, bleibt abzuwarten. Ein schöner Schlusspunkt des Versuchs Caribou wäre „Our Love“ allemal.

Anspieltipps:

  • Can't Do Without You
  • Our Love
  • Your Love Will Set You Free
  • All I Ever Need
  • Mars

Neue Kritiken im Genre „Electro“
8/10

Atlantic Oscillations
  • 2019    
6.5/10

A Bath Full Of Ecstasy
  • 2019    
Diskutiere über „Caribou“
comments powered by Disqus