The Howlin´ Brothers - Trouble - Cover
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The Howlin´ Brothers Trouble


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

The Howlin` Brothers haben sich aufgrund der Wirkung des Soundtracks zu „O Brother Where Art Thou?“ gegründet und verweisen auf die Wurzeln der US-amerikanischen Musik-Kultur.

Die Howlin` Brothers stehen innerhalb ihres abgesteckten Claims für größtmögliche Vielfalt, ungebremste Spielfreude und einen transparenten Sound. Wer sich für Americana-Spielarten im weitesten Sinne interessiert, findet hier viele Ausdrucksformen abgebildet: Folk, Bluegrass, Cajun, Old Time Jazz, Country, Blues, R&B, Gospel und Rockabilly werden nebeneinander oder miteinander verbunden eingesetzt. Die drei New Yorker sind zwar keine richtigen Brüder, aber musikalisch brüderlich verbunden. Als Initialzündung für ihren gemeinsamen Weg diente der Soundtrack zum Coen-Brothers-Film „O Brother Where Art Thou?“ aus dem Jahr 2000. Dieser führte zur intensiven Beschäftigung mit der US-amerikanischen Roots-Music-Geschichte. Ian Craft wechselte daraufhin vom Schlagzeug zu Geige, Mandoline und Banjo. Die Rock-Gitarristen Jared Green und Ben Plasse sind jetzt an akustischer Gitarre, Klavier, Mundharmonika und Standbass zu hören. Alle drei wechseln sich beim Gesang ab oder ergänzen sich dabei.

Auf Grund ihrer Vielseitigkeit ist es auch schwierig, einen repräsentativen Titel als Opener auszuwählen. So lässt die dafür bestimmte Good-Time-Western-Swing-Nummer „Pour It Down“ noch nicht die volle Spannbreite des Trios erahnen. Man könnte es ja auch mit einer x-beliebigen Good-Time-Band zu tun haben. Aber schon das folgende „Boogie“ macht den Unterschied deutlich. Ein klappriges Banjo, eine akustische Gitarre, ein Standbass und eine Mundharmonika reichen als Basis, um eine ländlich gemütliche, abgeklärte Stimmung zu erzeugen, die zum entspannten Fußwippen einlädt. Der nächste Schwenk folgt mit „Night & Day“: Hier wird der erneute Beweis geführt, dass man auch mit einer akustischen Ausrichtung richtig handfest, robust und aufbrausend agieren kann. Der urige Folk mit Blues-Wurzeln bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg durch den Heuschober.

Einen Abstecher in die Sümpfe von Louisiana machen die falschen Brüder mit dem auf der Tradition der französischen Einwanderer beruhenden Cajun-Sound von „Monroe“ und „Louisiana“. „World Spinning Round“ und das locker dem Sonnenuntergang entgegen trabende „Sing A Sad Song“ erweisen sich als eindringliche, sentimentale Country-Balladen. Der sehnsüchtige, emotionsbeladene Gesang erinnert hier an die texanische Singer-Songwriter Legende Joe Ely. Auch eine andere Variante der Country Music, nämlich hyperaktiven Bluegrass, beherrscht die Gruppe meisterlich („Back Up Joe“). Nochmal Bluegrass, aber nicht ganz so schnell gespielt, ist bei „Hard Times“ zu hören. Mit „Troubled Waltz“ bieten sie eine quälend langsame Ballade an. Im Gesang mischen sich Wut, Trauer und Verzweiflung, was noch durch eine sich gegenseitig stützende, aber trotzdem verloren wirkende Gitarre/Piano-Begleitung unterstrichen wird. Shuffle-Blues wird mit Folk und Dixie-Jazz unter Hinzufügung von Gospel-geprägtem Gesang bei „I Was Wrong“ zu einem packenden, kreativen Stilmix gekoppelt. Nur von Reggae haben sie keine Ahnung. Der Song „Love“ ist ein müder Dub-Reggae-Aufguss mit einer schwachen Melodie. Oder soll das etwa eine Parodie sein? Zum Schluss gibt es noch eine überflüssige, kurze Live-Einspielung in Bootleg-Qualität, die von ungezügeltem Chain Gang-Gesang bestimmt wird („Yes I Am!“).

Nach 10 Jahren im Musikgeschäft und mit ihrer 5. Studioproduktion im Gepäck sind die Howlin` Brothers zu einer wahren Größe im Acoustic-Roots-Kontext gewachsen und mit Warren Haynes (Gov`t Mule) und Bluegrass-Star Ricky Scaggs haben sie prominente Verehrer. Ihr Produzent Brendan Benson, der aus dem Jack White-Umfeld bekannt ist (z.B. von den Raconteurs), sorgt wieder für einen luftigen Klang, an dem auch Leute, die bisher noch nichts mit dieser Musik am Hut hatten, Geschmack finden könnten.

Anspieltipps:

  • Boogie
  • Night And Day
  • Troubled Waltz
  • Sing A Sad Song
  • I Was Wrong
  • Louisiana

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