Los Lonely Boys - Revelation - Cover
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Los Lonely Boys Revelation


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schuster, bleib bei deinen Leisten: Die Roots-Rock-Band Los Lonely Boys verliert beim Versuch, sich weiter im Richtung Pop zu öffnen an Souveränität und Originalität.

Wenn man in Texas groß wird und sich für Musik interessiert, dann wird man zwangsläufig mit einer Vielzahl von unterschiedlich verbundenen Musikstilen konfrontiert. Am bekanntesten ist da wohl der Tex-Mex, eine Verzahnung von texanischer Volksmusik mit Country und Rock`n`Roll. Aber auch sonst gibt es in dem „Lone Star State“ kaum Berührungsängste, was die Verarbeitung unterschiedlicher Richtungen angeht. In dieser Tradition musizieren auch die drei Garza-Brüder der Los Lonely Boys seit etwa zehn Jahren. Die Texaner legen jetzt nach 3 Jahren Pause ihr fünftes überregionales Studioalbum vor. Zuvor konnten sie in den Staaten mit „Heaven“ einen Nummer-Eins-Hit landen und dafür einen Grammy abstauben, sowie Alben mit Platin-Verkaufs-Status veröffentlichen.

In ihrer Musik mischen sie munter und wie selbstverständlich Blues Rock, World-Music in Form von Reggae-, Ska-, Latin- und Tex-Mex-Beigaben, Country, Soul und Funk. Und bei „Revelation“ kommt auch noch eine deftige Portion Pop dazu, was dann auch der Pferdefuß bei diesen Aufnahmen ist. Denn leider handelt es sich nicht immer um verführerischen, aufwühlenden, raffinierten Pop, sondern häufiger um die anbiedernde, polierte Variante. Der übertriebene Pop-Einfluss wirkt dabei oft wie ein Weichmacher. Die erdigen Roots-Strukturen werden verwässert, wodurch Bissigkeit und Exotik verlorengehen.

Mit dem Tex-Mex „Blame It On Love“ beginnt das Album verheißungsvoll und der Reggae-Pop-Mix „Give A Little More“ gefällt als kleiner Bruder von 10cc`s „Dreadlock Holiday“. Auch das als Ska-Folk-Pop eingekleidete „It`s Just My Heart Talkin`“ ist angenehm und originell. Aber dann kommt der erste Dämpfer: „There`s Always Tomorrow“ hat hinsichtlich Melodik und Ausführung Boygroup-Niveau. Genauso leichtgewichtig ist auch „See The Light”. „So Sensual” präsentiert Pop mit Soul-Einschlag. Als Orientierung fällt da Paul Wellers Style Council oder auch Spandau Ballet ein.

Auch Santana hat deutliche Spuren hinterlassen („Don`t Walk Away“) und mit „Can`t Slow Down“ gibt es einen Schlenker in Richtung Funk-Rock zu hören. Der Einstieg bei „Rule The World“ ist von ZZ Top entliehen, der Song kommt aber im Verlauf über den Status eines gewöhnlichen, stadiontauglichen Mainstream-Rockers nicht hinaus. „Dream Away“ erinnert anfangs an „La Bamba“ von Richie Valens. Die hier gebotene Verarbeitung von Tex-Mex-Pop kennt man auch von den Mavericks um Raul Malo. Zwei Balladen („The Greatest Ever“, „Everything About You“) vervollständigen die aktuelle Song-Sammlung der Los Lonely Boys, die nicht dazu angetan ist, in Jubel auszubrechen.

Die Musik ist sehr gefällig und unterhaltsam aufgebaut. Mit der stromlinienförmigen Produktion von Don Gehman und Matthew Gerrard wird wieder auf ein breites Publikum geschielt. Die Los Lonely Boys sind aber wesentlich attraktiver und glaubwürdiger, wenn sie sich eine ursprüngliche Ungeschliffenheit bewahren. Das ist zwar eine Binsenweisheit, hier bewahrheitet sie sich aber wieder aufs Neue.

Anspieltipps:

  • Blame It On Love
  • Give A Little More
  • It`s Just My Heart Talkin`

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