Abinchova - Wegweiser - Cover
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Abinchova Wegweiser


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Sowohl für Folk- als auch Death-Metaler ein ungeahnter Geheimtipp.

Das Konzept des Crowdfundings funktioniert so gut wie nie zuvor und macht auch nicht vor schweizerischen Folk-Metal-Bands halt. Abinchova aus Luzern setzten sich 10 000 Franken für die Produktion des Nachfolgers ihres Debüts „Versteckte Pfade“ (2011) als Ziel, welches zu ihrer großen Überraschung nach bereits 17 Tagen erreicht war. Dem Release von „Wegweiser“ stand daraufhin nichts mehr im Wege und wird nun als rudelfinanzierte Zusammenarbeit von Band und Unterstützern auf die Welt losgelassen. Dass das Geld gut investiert war, merkt man nicht nur an der extrem sauberen, guten Produktion; selbst das phantasievoll gestaltete Booklet weiß mit unzähligen Details zu überzeugen und rundet „Wegweiser“ auch visuell ab. Viel mehr als die siebenköpfige Gruppe, dürfen sich deshalb am Ende über 100 Crowdfunder freuen, die den Beweis bekommen, dass Abinchova die investierte Kohle sinnvoll genutzt und nebenbei ein richtig gutes Album eingespielt haben.

Wer hat's erfunden? Diesmal ganz sicher nicht die Schweizer! Doch wer heute an Folk- und melodischen Death-Metal denkt, der wird an dem sich nach und nach herauskristallisierten Genreanführer Eluveitie gar nicht mehr vorbei kommen. Zumindest wenn er gedanklich bei europäischen Binnenstaaten bleibt. Nun, Abinchova folgen dem Beispiel der großen Helvetier und hauen dem Hörer einen bunten Mix aus ekelhaften Death-Growls des Frontmanns Arnaud Hilfiker, süßlichem, weiblichem Operngesang, eingängigen Melodien, aber auch einer nicht zu unterschätzenden Härte auf die Ohren. Das Zielpublikum ist dabei glücklicherweise der Metaler und nicht der Mittelalter-Larper, was der Abinchova-Crew die kleinen Ecken und Kanten bringt, welche bei vergleichbaren Bands unter dem Wulst aus überproduzierten Violinen-, Akkordeon- und Flötensounds untergehen. Deshalb sind ziemlich knackige, oft riffbetonte Nummern wie „Handgeschrieben“, „Felsenfraß“ oder „Sturmgeweiht“ clever geschriebene und deshalb unkitschige Klopper, welche dennoch nicht auf Eingängigkeit und Melodie verzichten.

Die Violine, welche einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat, dass Abinchova dem Folk- oder gar dem Pagan-Metal zugeordnet werden können, darf natürlich nicht fehlen. Sie ist letzten Endes weder Makulatur, noch sonderlich dominant. In „Vom grünen Grund“, „Wandlung“ und ganz besonders in „Unbenannt“ weiß die Sängerin und Violinistin Nora Lang ihre Kollegen an der Axt Alexandre Hiltmann und David Zemp mit ihrem Spiel zu unterstützen und zu ergänzen. Mit den wahnsinnig guten „Flaschengeist“ und „Unter der Erde“ machen's Abinchova dann nochmal richtig klar und hauen große Hymnen der Marke Amorphis raus, bevor man sich langsam aber sicher dem Longtrack und Rausschmeisser „Echo“ nähert, welcher nochmal die Qualitäten der Schweizer auf den Punkt bringt. Über lange Strecke instrumental, zeigen die Jungs und Mädels ein enormes Talent an ihren Instrumenten und holen vielmehr den Liebhaber von Virtuosität als den bierseligen Schunkelmetaler ab. Respekt!

Dies alles hebt Abinchova angenehm von diversen Kollegen ab, auch wenn die Eidgenossen das Rad mit Sicherheit nicht neu erfinden können. Diversen Trends entsagen die sieben Musiker - sie haben es nicht nötig, sich Wikingern, Piraten und Hobby-Heiden anzubiedern, nur weil diese gerade einen nicht zu verachtenden Teil des metallischen Mainstreams darstellen. Dafür gibt es richtig was auf die Ohren! Während bei anderen hauptsächlich Luft in der Schoki ist, sind Abinchova die Toblerone des schweizerischen Metals: ziemlich hart, äußerst schmackhaft und alles andere als Massenware vom Discounter. Freunde von melodischem Death und klug untergebrachten Folk-Elementen entdecken hier einen Geheimtipp!

Anspieltipps:

  • Vom grünen Grund
  • Flaschengeist
  • Sturmgeweiht
  • Unter der Erde
  • Echo

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