The Gaslight Anthem - Get Hurt - Cover
Große Ansicht

The Gaslight Anthem Get Hurt


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

New Jersey hält zusammen! Nach der Liebe zu Bruce Springsteen folgt nun die Annäherung an Bon Jovi.

Nur weil The Gaslight Anthem genau wie Bruce Springsteen aus dem amerikanischen Bundesstaat New Jersey stammen, muss die Band musikalisch nicht auch noch den Boss nachahmen. Macht sie aber doch irgendwie. Und zwar auf bisher vier Studioalben, die immer wie eine Art „Springsteen meets Punkrock“ klangen. Doch nun soll Schluss sein damit! Mastermind Brian Fallon teilte dem Rolling Stone Magazine mit, dass das neue Album „completely different than anything we had ever done before” klingen würde.

Na, da sind wir aber mal gespannt! Schließlich wurde eben erst mit dem Vorgängerwerk „Handwritten“ (07/2012) der endgültige internationale Durchbruch geschafft. Und dass, obwohl die Fans der ersten Alben schon seit „American Slang“ (06/2010) nicht mehr zu 100% hinter der Entwicklung der Band standen. „Get Hurt“ wird nun zeigen müssen, ob The Gaslight Anthem auf dem Weg vom Indie-Act zur Mainstream-Größe weitere Opfer hinter sich lassen oder ob sie auch ihre alten Fans mitreißen können.

In der vorliegenden Deluxe-Ausgabe, die diese Bezeichnung mit mickrigem Booklet und schnöder Papphülle bis auf die drei zusätzlichen Songs in keiner Weise verdient, werfen The Gaslight Anthem 15 von Mike Crossey (u.a. Arctic Monkeys, Jake Bugg, Blood Red Shoes, The Kooks, Razorlight) produzierte Tracks in die Waagschale, die von dem mit breitbeinigen Hardrock-Riffs und La-La-La-La-La-La-Chören ausgestatteten „Stay vicious“ angeführt werden. Damit sind bereits die Grundzutaten für „Get Hurt“ gefunden, die aus Pathos, Pomp, ein wenig Härte und jeder Menge Kitsch bestehen. Dass aber im folgenden „1,000 Years“ die La-La-La-La-La-La-Chöre einfach durch Hey-Hey-Hey-Hey-Chöre ersetzt werden, um den Pathos zu transportieren, ist schon etwas dröge.

Auf diese Weise quälen The Gaslight Anthem sich und den Hörer durch ein Wechselbad der Gefühle. Denn „Get Hurt“ ist alles andere als rund und längst nicht so mitreißend wie die frühen Alben. Dazu haben sich zwischen Songs wie dem peitschenden „Rollin‘ and tumblin‘, dem unheimlich kraftvoll wirkenden „Selected poems“ und angenehm reduzierten Balladen wie „Break your heart“ zu viele gut gemeinte, aber nicht zündende Ideen eingeschlichen, die sich nicht zwischen Stadionrock, Popmusik und neuerlichen Springsteen-Kopien entscheiden können.

So müssen The Gaslight Anthem heuer ganz schön kämpfen und sich mit Großtaten wie „Dark places“ über die Ziellinie retten. Danach wird ausgewertet und festgestellt, dass „Get Hurt“ ein Drahtseilakt zwischen den weit zurückgedrängten Punkrock’n’Roll-Wurzeln und einer neuen Liebe für glattgebügelten Mainstream-Rock geworden ist. The Gaslight Anthem treten nicht mehr ein ganzes Album lang aufs Gaspedal und lassen ungewöhnlich viel Pop-Momente zu. Und damit wären wir bei einer anderen Band, die auch aus New Jersey stammt, deren Namensnennung allein vielen Ur-Fans von The Gaslight Anthem Schweißperlen auf die Stirn treiben wird: Bon Jovi.

Anspieltipps:

  • Red violins
  • Stay vicious
  • Dark places
  • Selected poems
  • Helter skeleton
  • Ain’t that a shame
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5/10

Byte The Bullet
  • 2017    
Diskutiere über „The Gaslight Anthem“
comments powered by Disqus