Eluveitie - Origins - Cover
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Eluveitie Origins


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Everything remains. Daher werden Abnutzungserscheinungen deutlicher denn je.

Absolute Arbeitstiere sind sie, die netten Helvetier aus dem schönen Zürich! Sechs Alben, EPs und aufwändig erneuerte Kompilationen wie „The Early Years“ (2012) nicht mitgezählt, in gerade mal acht Jahren sind ja nicht unbedingt die Regel - schon gar nicht im Metal! Und, naja, leider scheint ein solcher Rhythmus auch symptomatisch zu sein. Außer dass die Violinistin Nicole Ansperger und der Gitarrist Rafael Salzmann jeweils zwei alte Gesichter (Meri Tadić und Sime Koch) ersetzen und die Band ihre stattliche Größe von acht Musikern halten kann, ist alles beim Alten geblieben. Alles. Die Schweizer folgen dem Weg, den sie auf den Alben „Everything Remains As It Never Was“ (2010) und „Helvetios“ (2012) eingeschlagen haben, zu 100% und wagen es erst gar nicht, etwas an ihrem Erfolgsrezept zu verändern. Dadurch wird Eluveities sechster Longplayer viel mehr zu einem Sattmacher für die nicht gerade wenigen Fans und weniger zu einer echten musikalisch ambitionierten Angelegenheit.

Dabei ist die technische Umsetzung eben doch eine gewohnt ambitionierte: Päde Kistler pustet wie ein junger Gott in seinen Dudelsack, Frontmann Chrigel Glanzmann betätigt nebenbei noch Mandoline, Gaita und verschiedene Flöten, während Anna Murphy mit ihrer Drehleier schon lange mehr als nur zum Inventar gehört. Aus der Konserve kommt jedenfalls auch auf „Origins“ nichts. Die anderen Mitglieder spielen traditionelle Metal-Instrumente. Jedes Zahnrad greift ins andere sodass ein so satter, authentischer Sound entsteht und dieser wie immer als das größte Verkaufsargument der Schweizer zu erkennen ist. Entgegen wirkt das Material auf „Origins“, welches allmählich eine kleine, aber durchaus bestehende Innovationsarmut zu erkennen gibt und zeigt, dass die acht Musiker von den Ketten ihres Stils davon abgehalten werden, mal etwas zu wagen, zu verändern, anders zu machen. Nun muss nicht jede Metal-Band grundsätzlich etwas umstürzen, um relevant zu bleiben - schon gar nicht im Albumtakt. Doch theoretisch wäre das möglich. Bei Eluveitie allerdings kaum. Die Größe der Band ist für sie wohl Fluch und Segen zugleich. Gerade dass es bei Eluveitie gleich mehrere Spezialisten gibt, macht einen Wechsel - egal ob radikal oder nicht – schlichtweg unmöglich. „Origins“ beweist das: Die Eidgenossen sind Duracellhasen mit Mittelalterinstrumenten.

Daher halten sich folkige Spielereien und gemächlicher, melodischer Death Metal die Waage. „The Nameless“, „From Darkness“, „Celtos“ (das Hauptthema erinnert erschreckend an „Wanderer“ vom Ensiferum-Album „Victory Songs“) oder „Virunus“ sind eingängige und auch partytaugliche Spaßmacher, die für die Band typisch sind und zu erwarten waren. Mal abgesehen vom Titeltrack, welcher die Position des Intros und Openers einnimmt, sowie gesprochenen und leider eher belanglosen Intermezzi wie beispielsweise „Nothing“, ändert sich erst mit der Single „Call Of The Mountains“ die Gangart ein wenig. Die Radiotauglichkeit des von Anna Murphy komplett gesungenen Songs ist unüberhörbar und auch wenn ihr Gesang von Album zu Album besser zu werden scheint, schleicht sich gerade dadurch ein wenig der Pop-Einschlag in den Gesamtsound - allerdings in einer sehr gelungenen und attraktiven Art und Weise. Die unerwartet harten „Inception“ und „The Day Of Strife“ sowie die andere, zur Abwechslung mal wirklich metal-zentrierte Single „King“ straffen „Origins“ wieder ein wenig.

Auf dem Weg haben wir mit „Vianna“ ein liebliches, ebenfalls beinahe radiotaugliches Duett zwischen Glanzmann und Murphy gehört, bevor „Carry The Torch“, vielleicht das Glanzstück des Albums, von einem Lückenfüller eingeleitet („Ogmios“) und mit einem weiteren ausgleitet („Eternity“) wird. So endet „Origins“ ebenfalls derartig unspektakulär wie es sich über kurz oder lang angehört hat. Wer eine Affinität zu Death Metal und besonders zu Folk hat und bisher noch keine Berührung mit Eluveitie hatte, wird „Origins“ wahrscheinlich so euphorisch als Entdeckung feiern, wie es alte Hasen in der Vergangenheit mit anderen Alben der Schweizer getan haben. Zweitgenannte Gruppe wird sich allerdings langsam fragen, inwiefern die Band ihre Bedürfnisse erfüllen kann und wie oft die Jungs und Mädels noch auf das gleiche Pferd setzen können. Mit ähnlichen Acts wie Equilibrium und Eluveities Landsmännern und -frauen Abinchova (übrigens von Anna Murphy produziert), finden sich beispielsweise zwei ziemlich gute Alternativen, welche entweder frisch sind oder zumindest versuchen es zu bleiben. Das müssen Eluveitie ebenfalls, wenn sie nicht untergehen wollen.

Anspieltipps:

  • From Darkness
  • The Call Of The Mountains
  • Inception
  • Carry The Torch

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