Ministry - Last Tangle In Paris: Live 2012 Defibrillatour - Cover
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Ministry Last Tangle In Paris: Live 2012 Defibrillatour


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 86 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mach's gut Mikey und danke für den Fisch.

Es steckt viel Arbeit in der neuen Live-Produktion von Ministry, die sowohl als Einzel-CD, wie auch in der Kombination Doppel-CD plus DVD bzw. Doppel-CD plus Blu-ray angeboten wird. Darauf wird eines der letzten Konzerte Ministrys mit dem verstorbenen Lead-Gitarristen Mike Scaccia dargeboten. Anstatt eines bloßen Zusammenschnitts eines Konzerts, hat man sich deshalb redliche Mühe gegeben, eine feine Produktion in Form einer Dokumentation innerhalb eines Konzertfilms als Abschiedsgeschenk zu basteln.

Mike Scaccia verstarb bereits im Dezember 2012. Doch aus verständlichen Gründen hat es länger gedauert, bis die Band sich entschied, die Aufnahmen auf den Markt zu bringen, wobei diese keinesfalls einer Huldigungszeremonie gleichkommen. Aber im Laufe des Konzertfilms wird auch weniger Eingeweihten klar, dass Mastermind Al Jourgensen alles andere als ein herzloser Kamerad ist, wenn es um die Musik-Familie geht. Besonders vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass man die Musik den Bildern hintanstellen kann.

18 Titel haben es auf die CD-Kollektion geschafft, doch das gewünschte Herzstück der Produktion ist der Film mit Rohmaterial und Stimmen der Band, auch wenn dieser trotz der hübschen Aufbereitung nicht mehr als eine nette Dreingabe abgibt. So fragt sich der Betrachter am Ende des Films, nachdem die Bandmitglieder durchaus sympathische Schluss- und Abschiedsworte an und über Mikey abgegeben haben, ob die Mischung aus Doku und Konzertfilm nicht etwas überambitioniert ist. Wenigstens ist der Sound allgemein sehr prall, wenn nicht gerade Proben und Interviews gezeigt werden. Und das Bild ist sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray ungemein knackig.

„Last Tangle In Paris - Live 2012 Defibrillatour” beginnt fast schon klassisch: Roadies beim Aufbau, die Band hinter der Bühne und schon legt das erste Stück in seiner ganzen Pracht los. Dann wechselt das Bild extrem gut geschnitten zu den vorigen Proben und der fette Klang ist plötzlich fahl und dünn. Dieser Kniff wird im Folgenden noch häufiger gebraucht, um möglichst viel von Mikey zu zeigen, doch auf Dauer wirkt das Ganze dadurch etwas unrund. Entweder wird der Konsument durch die eingeklinkten Live-Passagen unverhofft aus der Dokumentation gerissen oder die Interviews zerstören den Flow der Musik. Okay, der künstlerische Anspruch dieser Mischform ist ein durchaus interessanter Ansatz und allemal aufwändiger, als wären Auftritt und Interview strikt getrennt worden, doch es bewirkt, dass sich der Zuschauer nicht genug auf den Doku-Part konzentrieren kann, wodurch der emotionale und der menschliche Aspekt dieses Projekts ein wenig auf der Strecke bleiben.

Wer sich einen echten Einblick in das Seelenleben der Band und spannende Aufnahmen des leider verstorbenen Scaccia erhofft, wird zwar nicht vollends enttäuscht, doch dieses Lebewohl ist neben der gewohnt gespielten Musik nicht mehr als ein kleiner Nachruf und kein ausgereifter Abschied. Deshalb sollte der ausschließlich an der Musik interessierte Fan entweder zu der günstigen CD-Variante von „Last Tangle In Paris - Live 2012 Defibrillatour” oder auf die bereits bekannte „Enjoy The Quiet: Live At Wacken 2012“-DVD zurückgreifen. Denn in der vorliegenden Form erreicht das Box-Set in der B-Note keine Höchstwerte, weil der emotionale Kern untergeht.

Anspieltipps:

  • Ghouldiggers
  • Psalm 69
  • Life Is Good
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