Shabazz Palaces - Lese Majesty - Cover
Große Ansicht

Shabazz Palaces Lese Majesty


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wabernde Raps und verwaschene Produktion mit retro-futuristischer Ästhetik.

Ishmael Butler und Tendai Maraire, die Gesichter des alternativen HipHop-Duos Shabazz Palaces, waren schon immer für einen experimentellen Sound bekannt. Einer frischen Produktion gaben sie bereits auf ihrer ersten selbstbetitelten EP den Vorzug, anstatt Fokus auf die Performance am Mic zu legen. Ein Markenzeichen, das Shabazz Palaces über die Jahre fortgeführt und weiterentwickelt haben. So ertranken Shabazz' Stimmen auf ihrem Longplayer-Debüt „Black Up“ (2011) in Tracks wie „Youlogy“ und „The King's New Clothes...“ oft in einem Meer aus Samples, Bässen und Vocodern.

Seattle hat seine Spuren hinterlassen. Shabazz' Heimatstadt ist in den vergangenen Jahren zu einem der Zentren der Internet-Strömung Cloud Rap geworden: ein HipHop-Subgenre, das sich Butlers und Maraires Ästhetik auf „Lese Majesty“ einverleibt hat. Ihr Zweitwerk ist voll von flächigen Synthies und waberndem Reverb, welche die Raps des Duos überspülen und die Track-Übergänge verschwimmen lassen. Die 18 Stücke laufen in nebligen Verschmelzungen, aufgeteilt in sieben Suites, ineinander. Songs schlagen Brücken, die trotz ihrer Flüchtigkeit von unter zwei Minuten eigene, körperlose Welten schaffen. Das schleppende „Harem Aria“ und das funkig-verträumte „Noetic Noiromantics“ sind beste Beispiele.

„Lese Majesty“ trotz typischer Trap-Snares („They Come In Gold“) und Echo-verwaschenen Texten nur auf Cloud-Rap-Einflüsse zu reduzieren, wäre allerdings falsch. Dichte Dub-Basssphären sind auf dem Longplayer ebenso allgegenwärtig wie psychedelische, piepende Retro-Effekte aus 70er-Jahre-Sci-Fi, die sehr stark zur verträumten, psychedelischen Soundästhetik der aktuellen Shabazz Palaces beitragen. Eine Ästhetik, die die Texte oft in den Hintergrund drängt, nur um sie an bestimmten Stellen wieder besonders hervorzuheben und damit dem von den vorherigen Werken gewohnten lyrischen Anspruch Platz zu geben.

Mit der Logik, die der Entwicklung zu diesem Album zu Grunde zu liegen scheint, fällt es nicht schwer, diesen Stil als den ihren anzuerkennen. Zwar haben, Authentizität hin oder her, Künstler wie Yung Lean und Lil' B dieses schwammige, langsame HipHop-Subgenre zweifellos dorthin gebracht, wo es vor diesem Album war. Doch Shabazz Palaces haben es um neue, eigene Elemente ergänzt und verfeinert, ohne es seiner Lo-Fi-Attitüde zu berauben, und in einem umfassenden Konzept vollendet.

Anspieltipps:

  • Noetic Noiromantics
  • Harem Aria
  • #CAKE
  • Motion Sickness

Neue Kritiken im Genre „HipHop/Rap“
5/10

Carlo Cokxxx Nutten IV
  • 2019    
Diskutiere über „Shabazz Palaces“
comments powered by Disqus