Okkultokrati - Night Jerks - Cover
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Okkultokrati Night Jerks


  • Label: Fysisk Format/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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1.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Experimentell aus Notwendigkeit und dadurch eine bewusste Verweigerung, auch nur annähernd so etwas wie Musik zu machen.

Experimentellen Shit gibt es heute wie Sand am Meer. Für Leute, die schon alles kennen und gehört haben, das kleine bisschen Innovation wollen und für die ein Extrem gerade gut genug ist, um ihre Lust auf etwas völlig Neues zu stillen, ist das natürlich super. Und selbstverständlich gibt es unzählige Bands und Interpreten, die sich immer wieder neu erfinden können. Oftmals ist es ein schmaler Grat zwischen Faszination, Kreativität und einem absoluten Selbstzweck, völlig sperrig und dadurch auch so etwas wie elitär zu klingen. Okkultokrati hingegen nehmen eine Sonderstellung ein. Sie zeigen eindrucksvoll, dass sie das erwähnte Konzept der Experimentalität nicht verstanden haben und führen es ad absurdum.

Es ist schlichtweg erschreckend, wie einfallslos die Norweger ihr Material runter rasseln und wahrscheinlich auch noch bewusst mit einer undergroundig anmutenden Kellerproduktion versehen haben, damit es authentisch, roher, vielleicht sogar irgendwie beeindruckend oder anspruchsvoll klingen mag. Man suche sich die treffendste Bezeichnung selber raus - gekünstelt und eben alles andere als authentisch klingt „Night Jerks“ so oder so. Das mag auch daran liegen, dass Okkultokrati sich auf der einen Seite dem Crustcore, dem Black Metal und stellenweise sogar dem Grindcore verschrieben haben, auf der anderen Seite aber mit kontemplativen und sphärischen Ambient spielen. Natürlich sind einer Band keine Grenzen gesetzt und gerade sowas kann einen besonderen Reiz ausmachen, nur wirkt es bei den Norwegern extrem heterogen und aufgesetzt. Während „Dazeripper“ und der folgende Titeltrack noch brachial vor sich her rumpeln, ist „Moon Daggers“ ein Geblubber, welches den Sinn vermissen lässt und gar nicht erst mit dem harten Sound kombiniert werden will oder kann. Warum es Okkultokrati machen? Vielleicht, weil sie es einfach können. Weil sie es nicht verstanden haben, dass experimentelle Einsprengsel auch nur zu gerne nach hinten losgehen können.

Einzig und allein das hypnotische und auf faszinierende Art und Weise monotone „Rose Crux“ kann beide Welten miteinander verbinden, was die Nummer zur großen Ausnahme auf „Night Jerks“ macht. Die Jungs zeigen hier tatsächlich so etwas wie Potential und denken zum ersten und letzten Mal einen Schritt weiter. All die guten Ansätze werden dann von „Cosmic Wynter“ zunichte gemacht. Nach nicht einmal einer Minute Spannungsaufbau folgen 15 weitere, welche so nichtssagend sind, dass es beinahe wieder fasziniert. Nein, im Ernst: Es passiert nichts, gar nichts. Okkultokrati spielen nicht mal Ambient oder gehen experimentell vor. Sie bieten ein durchgängiges Störgeräusch, welches sie ihrer Hörerschaft allen Ernstes als Musik verkaufen wollen. Erinnert sich jemand noch an die virtuelle Droge iDozer? Die sollte durch extrem hohe oder tiefe Frequenzen nach längerem Hören einen Rausch bringen. Nun, Okkultokrati machen genau das. Und scheitern so kolossal, dass es schon wieder lustig ist.

Die bittere Wahrheit ist, dass es die Band aber nicht mal mit einem koketten Zwinkern und Selbstironie macht, sondern ihr „Night Jerks“ tatsächlich todernst meint und so etwas wie künstlerische Ambitionen vor heucheln will. Sie vertraut darauf, dass ihre (wohl zurecht überschaubare) Hörerschaft einen tieferen Sinn in ihre Musik interpretieren und allerlei Euphemismen wie „ein extremes Erlebnis“, „noch nie dagewesen“ oder „absolut kreativ“ benutzt und sich dabei gleichzeitig selbst hinters Licht führen wird. „Night Jerks“ ist tatsächlich ein extremes Erlebnis, noch nie dagewesen und in seiner Dreistigkeit so etwas wie „kreativ“. Aber all dies nie und nimmer mit einem annähernd künstlerischen Anspruch oder irgendwelchen Hintergedanken. Finger weg! Finger weg! Bloß die Finger weg lassen!

Anspieltipps:

  • Rose Crux

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International Blackjazz Society
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