Dragonforce - Maximum Overload - Cover
Große Ansicht

Dragonforce Maximum Overload


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Schmelzkäse-Metal mit doppelter Rahmstufe.

Mal Hand aufs Herz: Wer hätte beim 2003er Debüt „Valley Of The Damned“ eigentlich jemals erwartet, dass Dragonforce irgendwann mal zur Speerspitze der Power-Metal-Szene gehören würden? Ziemlich italienisch-undergroundig anmutender, cheesiger, kitschiger Power Metal, der sich hauptsächlich dadurch auszeichnet, dass mit hyperaktiven Highspeed-Passagen das kleine bisschen Shred untergemischt wird und viele Hörer und Musikkritiker sogar den unangebrachten Genrezusatz „Prog“ benutzten, um die Londoner doch vom Gros ähnlicher Acts abheben zu können. Das wäre es auch schon. Doch der Hype war hilfreich, er war eben da. Und er war es zur rechten Zeit. Auch zu der Zeit, als abfällig von „Studioforce“ die Rede war, galt das alte Gesetz, dass selbst schlechte Werbung immer noch Werbung ist.

Glücklicherweise konnten sich Dragonforce nach ihrem Debüt nach und nach steigern, das dringend benötigte Quäntchen Eigenständigkeit für sich gewinnen und sind mit ihrem sechsten Studioalbum „Maximum Overload“ zurück, um im Jahre 2014 den ohnehin schon reich beschenkten Power-Metal-Fan nach den Outputs von Gamma Ray, Edguy, Freedom Call, Sabaton und Sonata Arctica zu beglücken. Im Schlepptau haben Marc Hudson (Gesang), Frédéric Leclerq (Bass), Vdim Pruzhanov (Keyboard), Dave Mackintosh (Drums) sowie die beiden Gitarren-Ungetüme Sam Totman und Herman Li die typischen sowie von den Fans geliebten und erwarteten Trademarks. Innovationen werden zaghaft unter den fetten Brei des virtuosen Metal-Bombardements gemischt. Mit anderen Worten: Dragonforce sind Dragonforce sind Dragonforce. Die Briten bleiben sich wie immer treu.

Nach dem eher unspektakulären Opener „The Game“ geht es mit „Tomorrow's Kings“ so richtig ans Eingemachte. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass dieser Happy-Metal-Schinken zum unterhaltsamsten und besten Dragonforce-Material der letzten Jahre gehört. Hier zeigen sich die Jungs in allerbester Spiellaune und versorgen ihre Hörerschaft mit penetranten, aber auch ziemlich spaßigen Ohrwürmern. Das stampfende „No More“ und „City Of Gold“ folgen dem Beispiel, während „Defenders“ nochmal eine Schippe Härte oben drauf legt und „Extraction Zone“ sich tatsächlich in Prog-Untiefen bewegt - blubbernde, fiepsende Chiptune-Einsprengsel sorgen für das gewisse Etwas! Ebenfalls gelungen präsentiert sich „Symphony Of The Night“, welches durch das glücklicherweise dezente und wohl platzierte neoklassische Keyboardspiel all zu deutlich an Symphony X erinnert und mit dem typischen Dragonforce-Stil erfolgreich verbindet. „Three Hammers“ schließlich ist nicht nur aufgrund des Titels eine gefühlte Verneigung vor HammerFall. Diese True-Metal-Hymne brennt sich regelrecht in die Gehörgänge und ist prädestiniert, ein künftiger Live-Dauerkandidat zu werden.

Oh, um es wenigstens erwähnt zu haben: Die Kompositionen auf „Maximum Overload“ strotzen nur so vor Virtuosität, krassen Soli, Doublebass-Geschwadern und und und! Typisch Dragonforce also! Das gilt übrigens auch für „Ring Of Fire“ vom großen Johnny Cash, welches überaus sinnvoll und überzeugend der eigenen Spielweise angepasst wurde und ein unerwartetes Highlight auf Dragonforces sechstem Album geworden ist. Wer die Frickelmeister mag, wird insgesamt auch mit „Maximum Overload“ sehr glücklich werden. Gegner der Band werden dementsprechend Gegner bleiben. Doch auch wenn nach 15 Jahren so langsam aber sicher alles gesagt wurde, der eine oder andere Hörer leichte Ermüdungserscheinungen zeigen wird und trotz dem einen oder anderen kleinen kreativen Einfall die Band in gewisser Hinsicht limitiert sein mag, gehört „Maximum Overload“ sicherlich zu den stärksten Momenten der drachenstarken Diskographie.

Anspieltipps:

  • Tomorrow's King
  • Three Hammers
  • Symphony Of The Night
  • Extraction Zone
  • Ring Of Fire

Neue Kritiken im Genre „Power Metal“
7.5/10

United Alive In Madrid
  • 2019    
Diskutiere über „Dragonforce“
comments powered by Disqus