Trümmer - Trümmer - Cover
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Trümmer Trümmer


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Desillusion trifft Rock trifft deutsche Lyrik.

Ein deutscher Musiker hat es nicht leicht. Da entscheidet er sich schon, in der Landessprache zu singen und verringert automatisch seinen potentiellen Hörerkreis, um etwas für die Pop-Kultur zu tun, und dann kommt irgendein Kritiker daher, dem das ganze doch nicht recht ist. Denn das Problem mit der deutschen Sprache ist, dass man sie versteht. Da müssen die Texte schon wirklich gewitzt sein, um durch Tiefgründigkeit zu begeistern und am Anfang des Albums ist man zwar nicht enttäuscht, aber eben auch nicht euphorisch.

Das so stehen zu lassen, wäre natürlich nicht ganz richtig, jeder hat seine Chance verdient. Und die „Trümmer“-Jungs identifizieren sich durch ihre Sprache - ihre Wortspiele sind tatsächlich auch nicht schlecht. Genaugenommen sind sie sogar sehr durchdacht, aber leider schwingt ab und an (genau deshalb?) das Gefühl mit, dass es ein bisschen zu sehr gewollt klingt. Vielleicht kommt das aber auch daher, dass starke Gefühle preisgegeben werden. Enttäuschte Hoffnung, ernüchternde Desillusion einer Generation in einer von Deutschlands beliebtesten Metropolen: Hamburg.

Da ist es wohl umso bedeutungsvoller, dass Paul Pötsch (Gesang und Gitarre), Tammo Kasper (Bass) und Maximilian Fenski (Schlagzeug) fragen: „Ist das alles? Wo ist die Euphorie?“ Dieser Euphorie jagen sie durch ihre Indie-Rock-Songs hinterher, beschwören sie bei Live-Auftritten herauf und zelebrieren sie gemeinsam mit ihren Fans. Als Gegenmittel gegen die Nostalgie, die „prinzipiell nicht zu ertragen“ ist. Als Blitzlicht in dunklen Zeiten, denn Frontmann Pötsch bekundet: „Ja, ich weiß alles wird zugrunde gehen. Nein, ich habe damit gar kein Problem“.

So rocken die (angeblich) 18-jährigen (Wahl-)Hamburger gegen das System, gegen sich selbst, für, mit und gegen die Einstellung einer ganzen Generation in einer „Stadt ohne Gesicht“. Leidenschaftlich, ein bisschen euphemistisch und mit jedem Lied auch ein bisschen textsicherer. Die „Trümmer“ wachsen sozusagen zu einem Bild zusammen. Gegen Ende stimmt dann nicht nur die lyrische Vielfalt, sondern selbst die Einstellung, die bereits im ersten Song zum Ausdruck kam: „Wenn wir durch die Nacht fliegen, spricht alles gegen uns, doch wir werden siegen, siegen, siegen“.

Anspieltipps:

  • Wo ist die Euphorie
  • Nostalgie
  • Zurück zum Nichts
  • Morgensonne

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