Dry The River - Alarms In The Heart - Cover
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Dry The River Alarms In The Heart


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Zauber ist noch lange nicht verflogen.

Für alle, die Dry The River noch nicht kennen, sei kurze Lobhudelei erlaubt: 2009 in London gegründet, veröffentlichte der Vierer um Sänger Peter Liddle vor zwei Jahren sein Debütalbum „Shallow Bed“, nicht weniger als einer der besten und faszinierendsten Erstlinge der letzten Jahre. Eingängige Refrains trafen auf sperrige Songstrukturen, treibende Folkrock-Tracks auf introvertierte Singer-/Songwriterkunst - alles garniert mit wunderschönen Texten und Melodien. Ganz nebenbei brachten es die Briten auch noch fertig, ein begeisterndes Folkrock-Album aufzunehmen, ohne dass dem Hörer auch nur ansatzweise der Name Marcus Mumford in den Kopf kommt. Hallelujah und Amen.

Diese Großtat stellt Liddles Band vor die fast unmögliche Aufgabe, dieses Niveau mit dem zweiten Album mindestens erreichen, wenn nicht gar toppen zu müssen. Und das am besten ohne sich musikalisch zu wiederholen. Beispiele für Künstler, die an dieser Herausforderung kläglich scheiterten, gibt es wahrlich genug. Nicht zuletzt Mumford & Sons, die schlicht und einfach ihren übererfolgreichen Erstling Sigh No More ein zweites Mal aufnahmen und als „Babel“ erneut in die Plattenregale stellten. Dreist und unkreativ, ein künstlerisches Schicksal, das Dry The River nicht ereilen soll.

Die Platte startet mit dem Titeltrack und der bringt Begeisterung und Gänsehaut. „Animal Skins“ vom Vorgänger war ein Brett, „Alarms In The Heart“ beginnt bandtypisch ruhig und andächtig, bis der intime Gesang Liddles von einer Akustikgitarre begleitet wird und den Song Richtung Refrain trägt - zweifellos einem der schönsten und doch eingängigsten des Jahres.

Stichwort Eingängigkeit: Eine der wohl auffälligsten Neuheiten auf „Alarms In The Heart“ liegt in der Zugänglichkeit der Songs. Klar abgegrenzte Strophen und Refrains verpassen einem großen Teil der Tracks den umstrittenen Stempel „radiotauglich“. Schlimm ist das aber nur auf den allerersten und allzu flüchtigen Blick. Dry The River verstehen es, ihre einzigartige Note in fast alle Songs rüberzuretten, die Massentauglichkeit geht zu keinem Zeitpunkt auf Kosten der Qualität.

Für den ersten ruhigen Song ihrer zweiten LP holte sich die Band Emma Pollock (The Delgados) ins Boot. Ob es das für das angenehme „Roman Candle“ wirklich gebraucht hätte ist streitbar, dennoch verleiht die besondere Stimmfarbe Pollocks dem Song eine wunderbare Atmosphäre der Gelassenheit, die sich mit Liddles Gesang hervorragend ergänzt. Die Wahl Pollocks beweist, dass Dry The River eine sehr genaue Vorstellung davon haben, welche Musik sie machen und wie sie klingen wollen.

Die ersten beiden Auskopplungen „Gethsemane“ und „Everlasting Light“ zählen zu den stärksten Songs der Platte. Ersteres hätte wunderbar auch auf „Shallow Bed“ Platz gefunden, ein unaufgeregter Song, der dennoch in der Lage ist, große Emotionen zu erzeugen. Letzteres präsentiert sich als fast schon klassischer Rocksong mit schlichtem Aufbau und tollem Refrain. Eine Band, die mehr ausprobiert als es zunächst den Anschein hat und mit fast allem beeindruckende Ergebnisse erzielt.

Dry The River haben sich weiterentwickelt, sind eingängiger geworden, ohne ihre Wurzeln zu verraten oder ihre musikalischen Ideale aufzugeben. Es macht Spaß, zu sehen und zu hören, dass auch das zuletzt eher unter Stillstand leidende Folk-Genre derart tolle neue Bands zutage fördert, die hoffentlich in naher Zukunft ihren Weg auf die großen Bühnen dieser Musikwelt finden. Mumford & Sons sind diesen Weg schon vor langer Zeit gegangen, musikalisch sind Dry The River bereits jetzt Welten voraus.

Anspieltipps:

  • Alarms In The Heart
  • Gethsemane
  • Everlasting Light

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