Interstatic - Arise - Cover
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Interstatic Arise


  • Label: Rare Noise Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
9.3/10 Leserwertung Stimme ab!

InterStatic ist ein Power-Trio mit Progressive-Rock-Ambitionen und einem Jazz- und Improvisations-Herz.

In der Brust des norwegischen Gitarristen Jacob Young schlagen zwei Herzen. Wenn er sich nicht beim Trio InterStatic mit heftigen, wilden E-Gitarren-Exkursionen austobt, dann bringt er beim feingeistigen ECM-Label akustischen, melodischen Jazz heraus. Bei InterStatic darf er seine wilde Seite ausleben. Mit dem britischen Organisten Roy Powell hat er einen Kollegen, der mit dem Jazz-Rock der Siebzigerjahre groß geworden ist, der aber auch den Groove der 60er-Jahre-Jazz-Legende Jimmy Smith schätzt. Er versteht es, mühelos freie Räume dekorativ zu füllen und erinnert damit an das Einfühlungsvermögen des Van Der Graaf Generator-Tasten-Genies Hugh Banton. Der dritte im Bunde ist Youngs Landsmann Jarle Vespestad am Schlagzeug, der mit seinem Rhythmusgefühl die Eskapaden seiner zwei Mitmusiker unterstützt und ausgleicht.

Mit dem „Doozy Mugwump Blues“ erinnert das Trio würdevoll an die großen Zeiten des Blues-Rock der Siebzigerjahre. Roy Buchanan und Spooky Tooth kommen hinsichtlich der ähnlich fabrizierten Schwingungen in den Sinn. Der Titel groovt grollend gemächlich voran. Die Gitarre macht sich ab und an Luft, bricht aus und reiht sich anschließend wieder in den Lauf der Dinge ein. „Caerbannog” wirkt dann wie ein Befreiungsschlag, wie eine Light-Version von Jimi Hendrix´ „Star Spangled Banner”. Die Grenzen zwischen Jazz und Prog-Rock fallen. Ohne Hendrix-Vergleich kommt man bei solch einer Musik sowieso nicht aus, da er auf dem Gebiet der Gitarren-Exkursionen nicht nur ein Pionier war, sondern nach wie vor das Maß aller Dinge ist. Hochgepeitschter Jazz-Rock im Stil von John McLaughlin zeigt sich bei „Alpha Dog“. Die Improvisation gewinnt hier gegen das formgebende Element.

Bei „Iwato“ bilden sich aus dem Nebel der erwachenden Instrumente langsam Strukturen heraus. Ein ausgleichender Orgel-Schwall sorgt für hoffnungsvolle Momente. Das ist dann ganz nah am Van Der Graaf Generator-Sound der mittleren siebziger Jahre („Godbluff“, „Still Life“). Ein deftiges Rock-Riff mit kräftiger Orgel-Unterstützung gibt zu Beginn von „Frank`ll Fix It” die Richtung an. Als Vorbild diente die Arbeitsweise von Frank Zappa. Deshalb entwickelt sich das Stück auch nicht zu einem biederen Blues-Rock-Standard, sondern erhält durch abgehackte, kurze Gitarren-Licks und Tempo-Änderungen sowie Unterbrechungen seine Reibungsenergie.

Relativ statisch verläuft „In The Beginning“, da das Thema ständig wiederholt und nur gemäßigt angepasst wird. Es gibt einen ruhenden Pol in der Mitte, um den sich der Ablauf dreht. Die Geschwindigkeit ist dabei eher schleppend. Komplex wird es mit „Alexa“. Nach einem strukturierten Anfang breitet sich die übermächtige, frei agierende Gitarre über einen wie unbeteiligt agierenden Orgel-/Schlagzeug-Teppich aus. Ab und zu werden die unterschiedlichen Abläufe auch wieder synchronisiert. „Wonderfall“ beginnt ausgeglichen wie ein Melodic-Rock-Track. Dann wird ein Orgel-Zwischenspiel eingeworfen, das durch einen Gitarren-Alleingang abgelöst wird. Dadurch rutscht der Titel in die Jazz-Rock-Ecke. Zum Schluss gibt es noch eine atmosphärische Wiederkehr des Eröffnungsstückes.

Die Musik richtet sich an Leute, die mit Jazz-Rock etwas anfangen können, wobei der Jazz die dominante Seite dieser Verbindung darstellt. Auch Fans der Jimi Hendrix Experience oder von Frank Zappa sowie Sympathisanten der Jazzer vom Esbjörn Svensson Trio oder von Medeski, Martin & Wood kommen auf ihre Kosten. Die Variationen innerhalb der dargelegten Stilpalette machen es dem Hörer jedoch schwer, sich mit allen Verästelungen zu 100% identifizieren zu können. Die fehlende Homogenität wird von den Musikern allerdings zugunsten einer hohen Flexibilität ersetzt.

Anspieltipps:

  • Doozy Mugwump Blues
  • In The Beginning
  • Iwato

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