Wildest Dreams - Wildest Dreams - Cover
Große Ansicht

Wildest Dreams Wildest Dreams


  • Label: Smalltown Supersound
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wildest Dreams“ bleibt ein Wunschtraum von guter Musik und bricht Regeln konventioneller Strukturen, ohne progressiv oder psychedelisch glänzen zu können.

Wenn The Mars Volta auch auf ihre letzten Hooklines verzichtet hätten, dann wäre ein „Frances The Mute“ wohl nur eine Ansammlung aus Atmo-Aufnahmen und klimpernden Gitarren gewesen. Ziehen wir die Geräusche von Autos, exotischen Vögeln und lamentierenden Menschen ab, dann kommt der Ersteindruck des gleichnamigen Wildest Dreams-Albums heraus. Die Prog-Rocker verzichten weitestgehend auf Gesang und lassen nur selten nachvollziehbare Melodien aufkeimen. In gut 50 Minuten sollen sich Hörer scheinbar der Stimmung des Albums hingeben, welche sich dafür allerdings erst einmal identifizieren lassen müsste.

70er-Jahre-Krautrock lässt sich ausmachen, wenn DJ Harvey und seine Band sich in wenigen Momenten wie „Gypsy Eyes“ für einfache Strukturen entscheiden. Es sind eben die kurzen Erscheinungen von mehr als nur Geklimper, wenn in der zweiten Hälfte von „Bosh“ ein Konzept zu erkennen ist. Viel öfter scheint jedoch eine Jam-Session das Gerüst dieser Musik zu sein, was zeitweise an Kopfschmerzen in Audioformat erinnert („Yes We Can“). Vielleicht will die Band den Klang eines Jahrzehnts, einer Generation oder eines Lebensgefühls einfangen, doch selbst wenn das so ist, dann sagt diese Form der Wahrnehmung nur wenig aus und scheint ein vor sich hin stolperndes und auf Zusammenhang pfeifendes Gefühl zu sein.

Für einen Soundtrack der 70er-Jahre reicht es an gewissen Stellen, doch eben auch nur für einen Film oder eine Dokumentation, die mit Worten unterfüttert werden muss. Mit Fantasie lässt sich leicht ein benebeltes L.A. vorstellen, doch neben einem laschen Panorama wirkt „Wildest Dreams“ eher wie ein schwacher Fiebertraum, der kaum eine fassbare Vorstellung zulässt. Wenn das Gleichgewicht von atmosphärisch zielgerichteten Atmosphäre-Interluden wie in „Off The Lip“ und kernigem Rock bestünde, dann hätte die Band das Zeug zu einem psychedelischen Geheimtipp. So klingt die Scheibe jedoch nach prätentiösem Anspruch, den ja niemand verstehen darf und bei dem Hörer sich der vermeintlichen Kunst ohne Widerworte zu beugen haben.

Anspieltipps:

  • Gypsy Eyes
  • Bosh
  • Off The Lip

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
Diskutiere über „Wildest Dreams“
comments powered by Disqus