FKA Twigs - LP1 - Cover
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FKA Twigs LP1


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
9.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Filigrane Stärke, majestätische Zerbrechlichkeit.

An manche Releases unvoreingenommen heranzugehen, ist sauschwer. FKA Twigs' „LP1“ ist definitiv eine dieser Platten. Die geradezu kanonisch hochgelobten Vor-EPs der Vorjahre und der rasante Aufstieg zum Spex-Covergirl haben die Erwartungen durchaus hochgeschraubt. Glücklicherweise hat sich Tahliah Barnetts Sound seit „EP1“ und „EP2“ auch nicht geändert. Selbst die Nüchternheit der Werktitel kann man Barnett nicht negativ als Einfallslosigkeit auslegen. Die kalt reduzierte Numerik spiegelt viel mehr die Zielstrebigkeit wider, die dem Werdegang der Wahl-Londonerin zugrunde liegt.

Von den Salsa-Kursen ihrer Mutter beeinflusst wurde sie zunächst professionelle Tänzerin (beispielsweise als Marionette für Jessie J), um das Tanzen schließlich für eine Karriere als Musikerin an den Nagel zu hängen. Auf „EP2“ zeigte sich noch das venezolanische Produzentenwunder Arca für den Großteil der Produktion verantwortlich. An ihrem Debüt hat Arca neben anderen zwar auch wieder gewirkt, doch wie schon auf der ersten EP nimmt Barnett die Dinge wieder zunehmend selbst in die Hand. Und die Frau mit den kunstvoll gezwirbelten Strähnen auf der Stirn kann es. Zumal sie auch bei vielen ihrer Musikvideos die Zügel fest in den Händen hielt und noch hält.

So ist „LP1“ ein Album geworden, das die Stärken Barnetts, die sich zuvor schon abgezeichnet hatten, nochmal konturiert und hervorhebt. Komplexe Drum Patterns und schräge Effekte bilden eine Mischung aus kühlem, reduziertem Post-Dubstep und abstraktem Wonky. Im Wechsel aus filigraner Stärke und ebenso majestätischer Zerbrechlichkeit verleiht Twigs' Gesang der Musik Wärme. Diese Kombination führt zu Barnetts ganz eigener Interpretation der R&B-Strömung, der sich so viele aktuelle Newcomer (u.a. Banks, Kelela) verschrieben haben.

Tahliah Barnett sagt, „LP1“ drehe sich um die unterschiedlichen Aspekte der Selbstfindung. „I love another, and thus I hate myself“, zitiert sie Sir Thomas Wyatt in „Preface“. Wie schon auf den EPs spielen hierbei Sexualität und Dominanz eine tragende Rolle. Wenn sie auf „Lights On“ über das Herantasten an verschiedene Facetten von Intimität oder im langsam treibenden „Hours“ über obsessive Unterwürfigkeit singt, wird das am deutlichsten. Mit „Video Girl“, ihrer Song-gewordenen Karriereplanung, verarbeitet sie auch ihre Biographie. Doch eigentlich, meint sie, wisse sie gar nicht, was sie tue. Sie reflektiere sich nur irgendwie selbst. Soweit springt nur Gutes dabei heraus.

Anspieltipps:

  • Lights On
  • Two Weeks
  • Hours
  • Video Girl
  • Give Up

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