The Great Bertholinis - Brothers & Devils - Cover
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The Great Bertholinis Brothers & Devils


  • Label: Stargazer Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Euphorisch-melancholischer Indie-Pop, der mit einer kühnen Stilmixtur überzeugt.

Zum vierten Mal beglücken uns The Great Bertholinis mit einem Longplayer. Lässt der Bandname an Italiener denken, die Vornamen der Mitglieder an Ungarn, so stammen sie letzten Endes aus deutschen Landen, um genauer zu sein aus Nürnberg. Mit „Objects Travel In More Than One Direction” debütierten sie 2006, ließen 2009 „Planting A Tree Next To A Book“ folgen und ein Jahr später “Gradual Unfolding of a Conscious Mind - Part 3”. Dabei machten sie einem das Schubladendenken schwer und die Medien bezeichneten sie schon mal als Indie-Brass-Ensemble, um ihrem Mix aus osteuropäischer Polka, Indie-Pop, Bluegrass, Folk und Spiritual gerecht zu werden.

Zu Pauken, Bläsern, Banjos und Balalaika gesellt sich das im Popgeschehen übliche Instrumentarium, mit dem nun das vielköpfige Ensemble in Form von „Brothers & Devils“ antritt und ein weiteres Mal beweist, dass ihre Mixtur zwischen Euphorie entfachen und Melancholie-Zauber zündet. Der berühmte Funke wird im Plural abgefeuert, der Opener „Trembling Hands Breakdown“ lässt die Extremitäten nicht nur zittern, er versetzt sie umgehend in hymnischen Tanzmodus. Schiere Ekstase paart sich mit einem melancholischen Flair, der an Golden Kanine denken lässt, jedoch als Referenz nur zur groben Orientierung taugt, denn The Great Bertholinis sind mit anderen Wassern gewaschen.

So nimmt das Gebläse forsche oder mit Soul-Fanfaren garnierte Passagen zum Anlass, die Songs mit Erhabenheit oder hymnischer Euphorie aufzuladen. Auch dramatische Elemente wie z.B. in „Haima“ werden von den Bläsersätzen erzeugt, zudem sind sie imstande, eine feierliche Stimmung hervorzurufen, „Apart“ legt hiervon Zeugnis ab. Leadsänger Todor Bertholini versteht es seinem Gesang, ebenso wehmütige wie optimistische Tonfolgen beizubringen, ähnlich gestimmt werden die Stromgitarren zu tragenden Säulen des Bertholinischen Klanggebäudes. Die flexibel-beweglichen Rhythmen schwanken auf osteuropäischen, britischen und skandinavischen Pop-Gewässern, bauen auf Tempi-Wechsel oder wiegen mit der melodischen Kraft, die allen Titeln gemein ist.

„We are all just living dead try to stay alive“ heißt es in „Living Dead“ - eine Zeile, die auch als Untertitel von “Brothers & Devils” gelten könnte und die Nadel des Stimmungsbarometers zwischen Sehnsucht, Wehmut und Glück zittern lässt. „Endlessly In Love“ ist synkopischer Ringelreigen, Afro-Free-Jazz-Indie-Pop und sonst noch was. Zum Finale werden mit „Heart Heart Stereo“ leise akustische Töne angestimmt, ein nachdenklich-poetischerer Ausklang, der eine weitere Duftmarke der Great Bertholinis in unsere verwöhnte Pop-Nasen ziehen lässt. Diese Franken lösen das Versprechen guter Pop-Musik mit einer geradezu süchtig machenden Mixtur im Handumdrehen ein!

Anspieltipps:

  • Trembling Hands Breakdown
  • Apart
  • Living Dead
  • Heart Heart Stereo

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