Ned Collette & Wirewalker - Networking In Purgatory - Cover
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Ned Collette & Wirewalker Networking In Purgatory


  • Label: Bronzerat Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Australier in Berlin erschafft psychedelische Pop-Musik für Leute von heute.

Ned Collette hat seine neuen Kreationen, die zu dem vorliegenden dritten Album mit dem Zusatz „Wirewalker“ führten, sowohl in Melbourne als auch an seinem neuen Wohnort Berlin fertiggestellt. Das Cover zeigt ein Foto, das er aus dem Flugzeug geschossen hat, als er grade auf dem Weg nach Australien war, um die Aufnahmen abzuschließen. Als Freund von hochinfektiösen Pop-Melodien und einem Hang zu wirkungsvollen Psychedelic-Sounds hat Ned Collette hier das Beste aus beiden Welten zu einer unbekümmerten und intelligenten Song-Sammlung zusammengefügt. Meistens sind dabei die harmonischen Momente auffälliger als die verwendeten Effekte.

Man bekommt also positiv gestimmte Melodien mit verspielten, abgedrehten Einlagen geboten. Ganz in der Tradition von Syd Barretts Pink Floyd, von Kevin Ayers, den Beatles in der „Magical Mystery Tour“-Phase oder den Dukes Of Stratosphear, dem Hippie-Ableger von XTC. Die Einfälle von Ned Collette wirken nicht wie ein Plagiat, sondern neu ausgedacht aus der Sicht eines modernen Musikers, der die Pop-Geschichte als Inspirationsquelle nutzt. Das ist Post-Retro, wenn man so will.

Mit perlenden Piano-Strömen werden die Hörer in den faszinierend-fremdartigen Kosmos hineingezogen. Durch die honigsüße Melodie vergeht der Argwohn und Wohlbehagen macht sich breit („At The Piano“). Sakrale Gesänge und Space-Sounds des titelgebenden Stücks bilden dann das Intro zu „Bird“, einem leichten und lockeren Song, der immer wieder durch Instrumenteneinschübe und Tempowechsel neuen Anschub erhält. Ein Intermezzo mit sich wiederholenden Akkorden auf der akustischen Gitarre bereitet auf die mit verschlafenem Gesang geschmückte Ballade „Falls“ vor. „Vanitas Quack“ wirkt dann wie ein Relikt aus den 80er-Jahren. Durch minimalistische Elektronik mit Bubblegum-Effekt wird ein Zerrbild zwischen Matt Johnsons The The und Depeche Mode erzeugt. Das spleenige „Opiate Eyes“ könnte aus dem Giftschrank von Andy Partridge (XTC) stammen. Das ist sehr britisch geprägte psychedelische Pop-Musik. Lieblich und verträumt wird es dann beim filigranen Folk von „Across The Frozen Bridge“.

Mit „Echoes Toes“ verlassen wir die Erdanziehung und driften ins Weltall. Weißes Rauschen und Space-Loops zeigen an, dass wir die Bodenhaftung verloren haben. Noch bewahrt uns eine tröstende Stimme vor der Einsamkeit der Unendlichkeit, aber mit „Helios“, einem instrumentalen Zwischenstopp, verwischen die Konturen zwischen Melodie und Sound. „A Lawyer Or A Gimmick“ holt uns danach rhythmisch zupackend zurück auf die Erde. „Meltemi“ fängt den eben gehörten Rhythmus auf, sorgt aber dafür, dass wir jetzt soundtechnisch doch endgültig unser Sonnensystem verlassen. Was für ein Trip!

Ned Collette & Wirewalker gelingt das Kunststück, längst als antiquiert eingestufte psychedelische Pop-Musik so zu revitalisieren, dass sie sich nicht anhört, als sei sie aus der Zeit gefallen. Sie klingt im Gegenteil so, als wäre sie grade erfunden worden, zeitgemäß und frisch. Hut ab!

Anspieltipps:

  • Bird
  • Opiate Eyes
  • Across The Frozen Bridge
  • A Lawyer Or A Gimmick

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