Grant Nicholas - Yorktown Heights - Cover
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Grant Nicholas Yorktown Heights


  • Label: Popping Candy/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Mann, eine Gitarre... ein Skateboard...!? - Fernab des Skater-Looks präsentiert sich Beanie-Träger Nicholas als Singer/Songwriter mit soften R.E.M.-Einflüssen.

Erinnert sich noch jemand an die Qualitätsunterschiede von R.E.M.-Platten? Irgendwas gibt es sowieso immer zu meckern, wenn es sich um die ganz großen Bands und Musiker handelt. Während der ersten Hälfte seines Albums „Yorktown Heights“ gelingt es dem Waliser und Feeder-Frontmann Grant Nicholas, einen Klang zu erschaffen, der den umstrittenen, aber nie schwachen Pop-Ausbrüchen von R.E.M. durchaus ähnelt. Besonders da die zweite Hälfte des Albums nach braver Feeder-Ausschussware klingt, ist dieser Vergleich einem Ritterschlag weitaus näher als einer Kritik.

Unverständlicherweise wird versucht, Nicholas' neues Album mit der Hipster-Ballade „Soul Mates“ anzupreisen, die letztlich wie das hübsche „Good Fortune Lies Ahead“ nicht mehr als eine Interlude darzustellen scheint. Fein gezupfte Akustikgitarren und Ton gewordene Ruhe wollen gar nicht erst begeistern, sondern eher ein schüchternes, aber ehrliches Lächeln fabrizieren. Das gelingt und war es dann aber auch schon. Viel spannender ist das Solo-Album, wenn allen voran „Hitori“ und „Robots“ äußerst brauchbaren Pop-Rock präsentieren, der diese ätherische Note großer anderer Bands trifft und trotz einfacher Abläufe unweigerlich im Ohr bleibt und in Hörern aktiv etwas weckt, anstatt nur im Hintergrund zu dudeln.

Wenn sich dazwischen dann ähnlich atmosphärische Balladen wie „Tall Trees“ verstecken, dann möchte man schon einen Geheimtipp des Jahres feiern. Leider kann sich diese Qualität und Sogkraft nur bis zu bereits genannter Interlude „Good Furtune Lies Ahead“ aufrecht erhalten. Mit „Joan Of Arc“ setzen rücksichtslos zu brav gestrickte Pop-Rock-Songs ein, die auf zu leicht vorhersehbare Stadion-Schmuse-Stimmung setzen. Hier ein „Oooh“, da ein „Aaah“, doch wenig Spielfreude und dafür viel Pathos statt Lyrics wie in „Robots“: So dröge präsentiert sich Albumhälfte Nummer zwei.

Manchmal ist dieser Standard-Radio-Ansatz durchaus funktional („Broken Resolutions“), doch öfter reibt man sich die Ohren und fragt sich, ob heutzutage wirklich noch derlei artige Musik gemacht werden darf („Isolation“ und „Time Stood Still“). „Silent In Space“ will die Hörer mit einem Lächeln verabschieden können, bevor „Safe In Place“ ein letztes Mal berühren soll. Doch die Pop-Rocker der zweiten Hälfte wirken fast schon flapsig wie eine Karikatur der gut gemachten Musik in den ersten 20 Minuten dieses Albums. Ob es erschreckend sein soll, dass der Leistungsabfall derart deutlich ausfällt, oder ob Grant Nicholas mit seinen starken Nummern zu Beginn eine angenehme Überraschung darstellt, muss nach diesem Wechselspiel von Licht und Schatten wohl jeder selbst für sich entscheiden.

Anspieltipps:

  • Hitori
  • Tall Trees
  • Soul Mates

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