Talking To Turtles - Split - Cover
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Talking To Turtles Split


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Talking To Turtles pendeln sich mit ihrem dritten Album als Indie-Pop-Konstante Deutschlands ein. Jetzt nur nicht in Alltagstrott verfallen.

Das deutsche Duo Talking To Turtles scheint es mit dem eigenen Stil recht leicht zu haben. Sein ruhiger und detaillierter Indie-Pop lebt von kleinen Geschichten anstatt von groß angelegten Momenten. Auch auf Album Nummer drei dürfen Banalitäten wie Schnürsenkel und „Play-Doh“ das Zentrum von Liedern bilden, um Alltagsgeschichten spinnen zu können. Claudia Göhler und Florian Sievers klingen dabei ähnlich professionell wie schon auf „Oh The Good Life“ und genau das macht es ihnen wiederum schwer. Ein Schritt nach vorn ist auf „Split“ nämlich nicht zu erkennen. Das führt zu der Frage, ob Talking To Turtles nun beginnen zu stagnieren oder ob sie ihre Stellung schlichtweg festigen.

Wie schon auf den vorigen Alben bleibt es dabei, dass das Duo nicht diesen einen Song oder eine Ansammlung von unvergesslichen Singles über ein Album verteilt. „Oh The Good Life“ hat beileibe keine Klassiker hinterlassen. Es ist viel mehr das durchgängig schlüssige Arrangement der Scheibe, die sie auch heute zurück auf die heimischen Playlists führt. Talking To Turtles sind bedächtig und drücken sich über Stilrichtungen und Soundtüfteleien aus. Wenn „Boys“ dem Reggae Tribut zollt und „Fling“ verschleppte Beats mit Songwriter-Musik verbindet, dann muss der Hörer diese Elemente gewollt verarbeiten. Das liegt auch daran, dass Talking To Turtles all diesen Einflüssen doch immer wieder ihren Stil aufzwingen, der nahtlos zu typischen Indie-Gute-Laune-Liedern der Marke „Safetyville“ überleitet.

In der richtigen Stimmung denkt man an die Hoch-Zeit von Death Cab For Cutie, die nur noch mit etwas mehr Grandeur und Pathos den Alltag romantisch besungen haben. Claudia und Florian bleiben bei allem Ideenreichtum weiter zurückhaltend und beglücken mit warmen Arrangements wie „Passenger Seat“, die verspielt, aber nie übertrieben oder sich in den Mittelpunkt rückend daherkommen. Wenn man auf „Split“ etwas kritisieren möchte, dann ist es wahrscheinlich weniger das vorhandene Material, als der Wunsch des Hörers, dass die Band hier und da vielleicht doch noch ein wenig mutiger auftritt. Natürlich erahnen Pessimisten gleich den Ausverkauf, aber so schön vorgetragener Pop aus Deutschland sollte der breiten Masse nicht vorenthalten werden.

Anspieltipps:

  • Passenger Seat
  • Boys
  • Safetyville

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