The Haunted - Exit Wounds - Cover
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The Haunted Exit Wounds


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Bissig, entschlossen und mit dem Momentum einer Abrissbirne thrashen sich The Haunted zurück in unsere Nackenmuskulatur.

Was passiert, wenn jemand seine Frau nicht mehr liebt und jemanden, der sich als Undercover-Cop entpuppt, damit beauftragt, sie zu töten? Er wandert selbstverständlich für einige Jahre in den Knast! Und wenn er zusätzlich der Kopf einer erfolgreichen Metalcore-Band war? Tja, dann muss er zusehen, wie die übrigen Kollegen das Weite suchen, eine neue Band mit alternativem Touch gründen (Wovenwar) und die erste Single zumindest dem Titel nach eine scharfzüngige Abrechnung verspricht („All rise“ ist immerhin die Phrase, die der Gerichtsdiener von sich gibt, wenn der Richter den Verhandlungsraum betritt). Die Rede ist natürlich von As I Lay Dying-Fronter Tim Lambesis, der sich abgesehen von der zwischenzeitlichen Auflösung seiner Band, der Zeit hinter Gittern und einer, sagen wir mal, ungewissen Zukunft noch mit einem anderen Problem herumschlagen muss und das hört auf den Namen The Haunted.

Jetzt werden vermutlich einige Einspruch erheben und sagen „Was hat denn eine Band wie The Haunted, die mit ihren letzten Alben mehr durch verwaschene Experimente als durch geradlinige Dampfhammer auf sich aufmerksam gemacht haben, mit As I Lay Dying zu tun?“ Nun, die Antwort ist schlicht: Die Schweden haben nach dem Weggang von Sänger Peter Dolving, Gitarrist Anders Björler und Schlagzeuger Per Möller Jensen einen ordentlichen Hausputz gemacht, überflüssige Spielereien über Bord geworfen und sich mit den zurückgekehrten Herren Adrian Erlandsson (Schlagzeug, war auf dem ersten Album zu hören) und Marco Aro (Gesang, veredelte die Alben Nummer zwei und drei), sowie dem völlig neu hinzugekommenen Ex-Six Feet Under Gitarristen Ola Englund auf einen Schlachtplan festgelegt, der die thrashige Seite nach außen kehrt und auf sämtliche undefinierbaren Versatzstücke der letzten Platten verzichtet.

Herausgekommen ist eine unerwartete Neugeburt der ehemaligen Abkömmlinge der geheiligten At The Gates. Mit Innovationen hält sich diese zwar zurück, doch es ist schon eine helle Freude nach dem packenden Intro „317“ auf „Exit Wounds“, das übrigens die achte Langrille im Portfolio der Schweden darstellt, mit einem brachialen Kracher wie „Cutting teeth“ begrüßt zu werden, der eine Brücke zu früheren Werken wie „Made Me Do It“ (10/2000) und „Revolver“ (10/2004) bildet und einfach nur direkt auf die Zwölf zielt. Diverse Schnörkel und Verzierungen, die vergangene Outputs behelligten, wurden mit der Kettensäge fein säuberlich abgetrennt und in rasende Thrashwut verpackt, die (und hier kommen wir zu As I Lay Dying) ähnlich zügellos und mitreißend dargeboten wird, wie es im Jahr 2010 auf „The Powerless Rise“ der Fall war.

Das größte Manko an diesem wahrhaftigen Blutrausch ist jedoch Drummer Erlandsson, der den variablen Riffs und der geifernden Stimme von Aro mit einer allzu monotonen Performance nicht das Wasser reichen kann. Dafür sorgen Entombed-infizierte Knaller wie das mit Testaments Chuck Billy aufgehübschte „Trend killer“, die 70er-Jahre-Hommage „All I have“, mit epischer Bandbreite ausgezeichnete Nummern wie „Kill the light“ oder der poppig angelegte Punker „Ghost in the machine“ für genügend Abwechslung, um hier ein Auge zuzudrücken. Paradigmatisch für den Wandel vom durchwachsenen Mischmasch der letzten Jahre zu einer kanalisierten Heavy Metal-Supernova sind allerdings die beiden kürzer gehaltenen Prügler „My enemy“ und „This war“, die einfach nur auf die Fresse geben und den Befreiungsschlag in musikalischer Form durchleben. Kurzum: Die Zukunft könnte für The Haunted kaum rosiger aussehen. Und wer die halbgaren Experimente von „Unseen“ bevorzugt: Deal with it!

Anspieltipps:

  • Trend Killer
  • Cutting Teeth
  • Kill The Light
  • Ghost In The Machine

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