Gregory Alan Isakov - The Weatherman - Cover
Große Ansicht

Gregory Alan Isakov The Weatherman


  • Label: Thirty Tigers/ALIVE
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Weatherman“ ist ein starkes Stück Singer/Songwriter-Musik und vereinigt die Tugenden amerikanischer Klänge und Emotionen dieses Genres, wie es in den letzten Jahren sonst nur Ray LaMontagne geschafft hat.

Wer ist Gregory Alan Isakov? Bis vor wenigen Wochen war es absolut legitim, diesen Namen mit Sci-Fi-Autoren zu verwechseln. Im Dickicht der globalen Musikgesellschaft übersehen Hörer schnell die Künstler, die nicht bei riesigen Labeln unter Vertrag stehen. Sufjan Stevens? Trotz verdienten Lobeshymnen auf seine ersten Alben denken die meisten Menschen bei diesem Namen wohl eher, dass da gerade jemand Yusuf und Cat Stevens durcheinander gewirbelt hat. Mit „The Weatherman“ hat Isakov jetzt aber wie Stevens, also Sufjan, zumindest eine qualitative Grundlage für breitere Bekanntheit geschaffen. Hinter der Scheibe des auf seiner Homepage extrovertiert erscheinenden Künstlers verbirgt sich das seit „Trouble“ vielleicht eindringlichste Stück Singer/Songwriter-Musik, das in Wirklichkeit für die Massen gedacht ist.

Nun ist „The Weatherman“ kein Debütalbum, sondern bereits die fünfte Scheibe des gebürtigen Südafrikaners. Den Status des gestandenen Musikers in Europa hat der gute Mann allerdings noch nicht inne, was die Verschiebung von einem Jahr bis zum Release der CD in Deutschland verdeutlicht. Wer also auf moderne Wege setzt, der schüttelt den Kopf, wenn diese Kritik den Opener „Amsterdam“ als kleine Offenbarung des aktuellen Kalenderjahres verkaufen möchte. Dass besagtes Lied aber auch noch ein Jahr nach dem Release als ein eben solches Prachtwerk gefeiert werden darf, lädt das Prädikat der Zeitlosigkeit ein. So wie sich Ray LaMontagnes „Trouble“ oder auch „Can I Stay“ immer wieder den Weg in Gehörgänge finden, ist das potenzielle Dauermaterial auf „The Weatherman“ aller Achtung wert.

Dass Isakov Amerika seine zweite Heimat die USA nennt, lässt sich zumindest auf musikalischer Ebene problemlos erkennen. Der grandiose Auftakt des Albums mit „Saint Valentine“, „Second Chances“ und „Living Proof“ fällt auch durch dem Country und dem Folk eigene Instrumente auf, die sparsam und effektiv die Kleinode des Künstlers verstärken. Isakov hat die Gabe, authentisch, gefühlvoll und einprägsam zu wirken. Sein aktuelles Album lebt von einem warmen Grundtenor, der sich wunderbar mit der Stringenz seiner Songs ergänzt. Allein der Mittelteil des Albums fällt ein wenig flach aus, weil „Astronaut“ und „California Open Back“ zwei gefühlte Interluden am Stück sind. Warum diese nicht geschickter verteilt worden sind, kann der Künstler bestimmt mit einem Hintergedanken erklären, der den gestörten Fluss aber auch nicht besser macht.

Ansonsten fallen nur „The Universe“ und das dann doch zu Country-lastige „All Shades Of Blue“ aus dem Rahmen eines ansonsten äußerst dichten Singer/Songwriter-Albums. Es macht ungemein viel Freude, wie Gregory Alan Isakov mit einfachen Mitteln so einfangende Momente erschafft, die bei ähnlichem Klang doch immer genug Eigenständigkeit entwickeln. Abgesehen von den wenigen Schwachpunkten dieser Scheibe hat es nahezu jeder Track verdient, dass ihm Chancen auf lange Sicht zugesprochen werden. Hier sitzen die Gefühle stets am rechten Fleck und diese sind auch zu bewegenden Momenten erstaunlich leicht bekömmlich.

Anspieltipps:

  • Amsterdam
  • Saint Valentine
  • Living Proof

Neue Kritiken im Genre „Folk“
10/10

The Band (50th Anniversary Edition)
  • 2019    
Diskutiere über „Gregory Alan Isakov“
comments powered by Disqus