Ryan Adams - Ryan Adams - Cover
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Ryan Adams Ryan Adams


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Comeback nach drei Jahren Pause, das zu routiniert und handzahm ausgefallen ist.

Ryan Adams (39), das ehemalige Wunderkind der Pop-, Rock-, Country- und Folk-Musik, das in einem Kreativrausch viel zu viel Musik in viel zu kurzer Zeit auf den Markt geworfen hat, bis weder es noch seine Fans mehr wussten wo unten und oben ist, hat seit seinem letzten offiziellen Album „Ashes & Fire“ (10/2011) tatsächlich fast drei Jahre ins Land ziehen lassen und endlich einmal drei Gänge heruntergeschaltet. Zumindest nach außen. Im stillen Kämmerlein hat der Amerikaner dagegen den Ausbau seines Aufnahmestudios und seines Labels PAX-AM Records vorangetrieben und von seiner Tour zum „Ashes & Fire“-Album mal eben eine 15 Vinyl-LPs umfassende Box produziert. Und das sind nur ein paar Beispiele dafür, wie sehr Ryan Adams seit gut 20 Jahren in seiner Kunst aufgeht.

Dass Ryan Adams seinem neuen Album keinen Titel verpasst hat und einfach nur seinen Namen sprechen lässt, hat bestimmt gute Gründe. Schließlich musste der 39-Jährige dringend ein paar Dinge in seinem Leben ändern. Es musste von Drogen und Alkohol sowie dem irrwitzigen Produktionsprozess runterkommen, der pro Jahr mindestens ein neues Album vorsah, also quasi einen totalen Neustart vornehmen, der sich am besten in einem Albumtitel ausdrücken lässt, der eben diesen Neubeginn suggeriert, so als wäre es das Werk eines jungen Debütanten. Doch der Weg dahin war nicht einfach. Abgesehen von seiner körperlichen und geistigen Therapie und der Suche nach einem neuen Ich, stand auch die Musik auf einer harten Probe.

Ein mit Produzent Glyn Johns (Eagles, Joan Armatrading, Eric Clapton, Midnight Oil, New Model Army) bereits fertiggestelltes Album wanderte in den Mülleimer. Mit Mike Viola (u.a. Dan Bern, Rachael Yamagata, Mandy Moore) wurde Ryan Adams dagegen glücklicher und schuf ein Werk, das irgendwo zwischen breitbeinigem Stadion-Rock und amerikanischer Songwriter-Tradition verankert ist und stilistisch Namen wir Tom Petty (63), Bruce Springsteen (64) und John Mellencamp (62) zitiert. Begleitet wurde Adams dabei u.a. von Johnny Depp („Kim“, „Feels like fire“) und Ehefrau Mandy Moore („Trouble”, „Am I safe”), die auf der Gitarre (Depp) und am Mikrofon (Moore) zum Einsatz kamen.

Sein mit Glyn Johns fertiggestelltes Album klang laut Ryan Adams zu verschnarcht und wurde deshalb nicht veröffentlicht. So, so. Was bitteschön ist dann dieser Longplayer? Ohne Herrn Adams zu nahe treten zu wollen: Die nun vorgelegten Stücke, die so gerne etwas von Petty, Springsteen und Mellencamp hätten, kommen ebenfalls kaum aus dem Quark und suhlen sich meistens im Midtempo („Kim“). Dabei fällt zwar die eine oder andere bemerkenswerte Melodie ab („Gimme something good“, „Trouble“, „Tired of giving up“), doch insgesamt ist „Ryan Adams“ nicht der Befreiungsschlag, der nach den Ankündigen aus dem Adams-Lager zu erwarten war. Der Hörer bekommt vielmehr eine sehr erwachsene und routinierte Platte, was grundsätzlich nicht schlecht ist, aber auch keine Begeisterungsstürme auslöst.

Anspieltipps:

  • Stay with me
  • Feels like fire
  • Tired of giving up
  • Gimme something good
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