Rustie - Green Language - Cover
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Rustie Green Language


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwo zwischen Reizüberflutung und Rückbesinnung auf die Natur.

Im Jahr 2011 stand Rustie an der Speerpitze einer britischen Elektro-Bewegung, die den reduzierten Clubsounds des House, Techno und Lo-Fi-Dubstep auf der Insel etwas entgegensetzen wollte. Im Windschatten des „Butter“-Albums von Mitstreiter Hudson Mohawke sorgte er mit seinem 2011er Debüt „Glass Swords“ für Furore. Überproduzierte Tracks mit unregelmäßigen Drum Patterns und genereller Sinnüberladung machten „Glass Swords“ neben „Butter“ zum Genre-Schlüsselwerk zwischen HipHop, Dubstep und Glitter. Einer Mischung, die heute nur noch „Wonky“ genannt wird.

Drei Jahre später präsentiert der Glasgower Produzent sein Zweitwerk. Der Geist von „Glass Swords“ ist in der Hektik auf „A Glimpse“, in den kristallenen Fanfaren-Synthies und der schrillen Überproduktion noch deutlich spürbar. Doch Rusties inspirativer Schwerpunkt hat sich verschoben, „Green Language“ ist anders. Scharrende Snares zeugen von einem starken Trap-Einfluss, den er auf seinem prominenten Essential-Mix für die BBC bereits zur Schau stellte und sich mit „Attak“ in voller Wucht präsentiert.

Rusties Klangwelten sind plötzlich erfüllt von Wärme, die an das Konzept des Albums erinnert: Samples von exotischem Vogelgezwitscher, natürliche Instrumente und Sprechgesang sind unterschiedliche Formen von Kommunikation. Auch sphärische Tracks mit Rusties charakteristischen Glitzer-Synthies sind auf „Green Language“ vorhanden, das dem Konzept zum Trotz seinen Schwerpunkt eher auf clubfreundliche Banger mit Vocal-Features legt. Werke wie „Tempest“ sind allerdings selten länger als zweieinhalb Minuten und fristen so leider oft ein Dasein als Filler.

Dafür fühlt sich Rustie sichtlich dabei wohl, Tracks mit Vocals zu produzieren. Gab es auf „Glass Swords“ Vocals nur als nachträglich veröffentlichte Remixe wie von „After Light“ (mit Aluna Francis) oder „Surph“, hört man auf „Green Language“ den Features wie Danny Brown und D Double E die direkte Zusammenarbeit an. Trotz dieser Vorbilder wirkt „He Hate Me“ jedoch geradezu lieblos, als hätte sich Face Vega spontan entschieden, über einen bereits fertigen Track zu rappen.

„Green Language“ markiert für Rustie einen Richtungswechsel, dem er sich mit Bombast und psychedelischer Synthetik annimmt. Dass er das drauf hat, dafür darf auch sein zweites Album in Zukunft als Beweis herhalten. Doch „Green Language“ ist kein zweites „Glass Swords“. Dafür wirken die sphärischen Tracks zu sehr wie Füllmaterial und erkunden selten neues Terrain. Darunter leidet auch das Konzept. Dennoch lässt Rustie mit diesem neuen Werk auf noch mehr aus seiner Feder hoffen.

Anspieltipps:

  • Raptor
  • Up Down
  • Attak
  • Paradise Stone

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