Bryan Adams - Tracks Of My Years - Cover
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Bryan Adams Tracks Of My Years


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Bryan Adams verneigt sich vor den musikalischen Helden seiner Jugend.

Wenn man sich einmal anschaut, mit welchen Veröffentlichungen sich Bryan Adams (55) in den vergangenen 20 Jahren durch seine Karriere gemogelt hat, dann ist es wirklich erstaunlich, dass der Name des Kanadiers beim Publikum immer noch zieht. Rein kreativ scheint der ambitionierte (Hobby-)Fotograf jedenfalls nur noch im eigenen Saft zu schmoren, was das treudoofe deutsche Publikum im Vergleich zum amerikanischen überhaupt nicht zu stören scheint. Adams-Alben werden gekauft, auch wenn es sich dabei um kalten Kaffee wie „Bare Bones“ (10/2010) oder das x-te Best-Of- bzw. Live-Album handelt. Basta!

Und diese Taktik funktioniert! Denn mehr als sechs Jahre nach „11“ (03/2008), dem letzten Album mit neuen Eigenkompositionen, kommt Bryan Adams auch im Jahr 2014 nicht mit Frischware um die Ecke, sondern mit einem Werk, das Klassiker aus den 50er bis 70er Jahren sowie zwei alte eigene Nummern enthält, die Mr. Adams neu eingespielt hat. Mit „She knows me“ verirrt sich zumindest ein brandneues Stück auf „Tracks Of My Years“, mit dem sich der 55-Jährige vor den musikalischen Helden seiner Jugend verneigt. Soll bloß keiner sagen, dass das ein spannendes Konzept sei.

Auf dem Cover von „Tracks Of My Years“ präsentiert sich Bryan Adams als Teenager, der es in jeder Hardrock- und Heavy-Metal-Band zu Ehren bringen könnte. Doch wie wir wissen, ist dem Kanadier die Rockmusik mehr oder weniger abhanden gekommen. Mit den elf Tracks (die Deluxe Version hat sogar 16) versucht Bryan Adams nun den Rock’n’Roll für sich wiederzuentdecken und covert dazu Songs von (u.a.) Chuck Berry, Bob Dylan, John Fogerty, Smokey Robinson, Ray Charles, The Beach Boys, Jimmy Cliff, Kris Kristofferson und den Beatles.

Mit jenen legt Adams auch los. „Any time at all“ erhält ein typisch hemdsärmeliges Pop-Rock-Korsett übergestreift und klingt, als wäre „Reckless“ nicht schon 30 Jahre her. In das gleiche Horn bläst auch „She knows me“, der einzig neue Track des Albums, den Bryan Adams mit schönen „Ohohoho“-Chören ausgekleidet hat. 1984 geht eben immer. Und dann ist er wieder da, der Balladenonkel. „I can’t stop loving you“ croont beseelt aus den Boxen, dass Rod Stewart vor Neid ganz blass werden dürfte. Na ja, irgendwo muss der gute Bryan seine Leidenschaft für Balladen nun mal herhaben. Und dass er dieses Fach beherrscht, zeigen auch hier Stücke wie „Never my love“, „God only knows“ und „Help me make it through the night“. Böse sind wir ihm deshalb bestimmt nicht. Es sind ja auch nicht seine eigenen Songs.

Eben jene fremde Stücke hat Bryan Adams gut ausgesucht, beanstandungsfrei gecovert und mit einer spürbaren Liebe für die Originale ausgestattet. Auch wenn sich die Spannung dabei in Grenzen hält, gibt es an „Tracks Of My Years“ nicht groß was zu meckern. Außer vielleicht, warum einige der besten Titel („You shook me“, „Many rivers to cross”) auf der Deluxe Edition versteckt wurden. Das ist wieder einmal eines dieser unangenehmen Phänomene der Branche, die einfach nur ärgerlich sind.

Anspieltipps:

  • Sunny
  • You shook me
  • C’mon everybody
  • Down on the corner
  • Many rivers to cross
  • Kiss and say goodbye
  • You’ve been a friend to me
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