Death From Above 1979 - The Physical World - Cover
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Death From Above 1979 The Physical World


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Death From Above 1979 sind wieder da. Und wie.

Der Tanz und der Schrei, die Melodie und der Druck, das Sentiment und die Violenz: Beide Extreme zu vereinen lässt Apologeten des Krachs bis heute die Nase rümpfen und Liebhaber des Pop das Ende aller Zivilisation ausrufen. Und doch übt die Fusion dieser beiden Antithesen zeitgenössischer Musik starke Faszination aus. Das Genre heißt treffend bezeichnet Dance Punk und den vielleicht wichtigsten, einflussreichsten und reizvollsten Beitrag in diesem Subgenre lieferte vor ziemlich genau einer Dekade das Torontoer Duo Death From Above 1979 ab. „You're A Woman I'm A Machine“ ist ein kleiner Meilenstein der Rockgeschichte des 21. Jahrhunderts.

Jesse F. Keeler und Sebastien Grainger hatten schnell die Schnauze voll von ihrer Erfolgsscheiße à la drei Shows an einem Tag spielen, im Club, im Fernsehstudio und in der exklusiven Musikerhotellobby, nur weil irgendein A&R-Manager meinte, dies lese sich supergut in der Musikpresse; der Blick geht in eure Richtung, The XX. In Konsequenz zu ihren offensichtlichen Idealen war nur zwei Jahre nach dem großen Knall, nämlich 2006, Schluss. Keeler kommt ohnehin aus dem Electro und nennt sich zuerst DJ und dann Musiker und macht mit MSTRKRFT mal Tolles, mal Beschissenes, während Grainger sich im Indie Rock probierte. Ab 2011 besannen sie sich und spielten Reunion-Shows, die erste wurde standesgemäß mit berittener Polizei aufgelöst auf dem SXSW, zu voll der Laden, riots on the street, rock and roll. Grainger schob im vergangenen Jahr noch ein Soloalbum ein, doch jetzt sind sie wieder da: nach einer Dekade das zweite Death From Above 1979-Album.

Als wären sie nie weg gewesen. Es ist wie schon bei Liars mit „Mess“ in diesem Jahr: Gefangene werden nicht gemacht, die ersten drei Songs stecken das hochenergetische Feld ab, die wesentlichsten Punchlines werden sofort verteilt in „Cheap Talk“, „Right On, Frankenstein!“ und „Virgins“. Fette Riffs, schwungvolle Melodien, mitreißende Rhythmik. Gelebte Schonungslosigkeit. Bewegungsdrang. DFA79s Alleinstellungsmerkmal sind nicht die Riffs, die Gefühle verarbeitenden Lyrics, auch nicht der Seltenheitswert, dass hier ein Duo mit verzerrtem Bass und Schlagzeug zu Werke geht (mit Synthesizerkomplementierung). Nein, es ist die Kunst, derart viel Druck und Kraft mit derart viel Schönheit und Tanzbarkeit vereinen zu können. Zusammenzubringen, was angeblich nicht zusammen gehört.

Die Kraftballaden „White Is Red“, der schönste Song des Albums, und „The Physical World“ beweisen es wie schon ihre langsameren Brüder und Schwestern auf „You're A Woman…“: DFA79 beherrschen die Klaviatur des Exzesses, und dazu gehört eben nicht nur stete Highspeed-Penetration, liebe Naserümpfer aus der Krachfraktion, dazu gehören durchaus auch Liebe und Gefühl. Welcome back.

Anspieltipps:

  • White Is Red
  • Virgins
  • Cheap Talk
  • Trainwreck 1979
  • Right On, Frankenstein!
  • Crystal Ball

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