Jackson Browne - Standing In The Breach - Cover
Große Ansicht

Jackson Browne Standing In The Breach


  • Label: Inside Recordings
  • Laufzeit: 56 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Jackson Browne präsentiert seine beste Studioplatte seit den Siebzigern!

Jackson Browne ist einer jener Singer/Songwriter, die keinem mehr etwas beweisen müssen. Seine Alben aus den 70er-Jahren sind allesamt Klassiker. In den Achtzigern erging es ihm wie vielen seiner Zunft, er konnte jenen hohen Standard nicht halten und versank gar im Mittelmaß. Auch in den Neunzigern blieben ihm Höhepunkte versagt, dagegen überzeugte er in den Nullerjahren mit seinen beiden „Solo Acoustic“ Volumen von 2005 und 2008. Seine Studioalben „The Naked Ride Home“ (2002) und „Time The Conqueror“ 2008) waren annehmbar, nicht mehr und nicht weniger.

Browne ist übrigens gebürtiger Deutscher, wuchs aber im sonnigen Kalifornien auf. Vor seiner Zeit als Solokünstler war er 1966 für einige Monate bei der Nitty Gritty Dirt Band und auf dem legendären Album „Chelsea Girl“ (1967) von Nico spielte er Gitarre und überließ ihr seine selbst geschriebenen Songs „These Days“ und „Somewhere There’s A Feather“, zudem war er Co-Komponist des Titels „The Fairest Of The Season“. Während dieser Zeit schrieb Jackson Browne das Stück „The Birds Of St. Marks“, das in der Versenkung verschwand, um im Jahr 1994 vom Künstler wiederentdeckt zu werden. Der Song wurde mit ins Konzertprogramm genommen und erschien zum ersten Mal auf einem Tonträger, nämlich als Live-Version auf „Solo Acoustic Vol. 1“.

Die Studiogeburt erlebt „The Birds Of St. Marks” nun als Eröffnungssong auf Jackson Brownes nagelneuem Album “Standing In The Breach”, also ca. 47 Jahre nach dessen Entstehen. Browne hatte den Titel immer als Byrds-Song im Ohr und so ließ er das Saiten-Ass Greg Leisz die 12-saitige Gitarre im Stile Roger McGuinns spielen. Ein Unterfangen, dass grandios funktioniert hat, denn das Stück schwebt förmlich in jenen Byrds-Vibes und ist dennoch ein typischer Jackson Browne-Song, wie wir ihn aus den glorreichen Siebzigern kennen. Neben Leisz scharte der Kalifornier seine langjährigen Mitmusiker Val McCallum (Gitarre), Mauricio Lewak (Drums), Jeff Young (Keyboards) und Bob Glaub (Bass) um sich. Sie bringen jenen sanften wie lässigen Groove, der damals Laid Back genannt wurde, aufs Parkett, als wäre es das Selbstverständlichste. Dabei klingt es überhaupt nicht altbacken - im Gegenteil, die Platte klingt frisch und überaus inspiriert.

Wie schon einige Male in den Siebzigern (vor allem auf „Late For The Sky“ von 1974), dehnt Jackson Browne die Songs auf eine Länge zwischen vier und sieben Minuten. Dabei ist die Gesamtlänge von 56 Minuten keine Sekunde zu viel, die Titel brauchen jenen Zeitraum, der sowohl Spannung als auch Entspannung hervorbringt. Ein Element der Kunst von Browne, ebenso ernste oder politische Themen in jenem Laid Back-Modus zu präsentieren, ohne ihnen die Wahrhaftigkeit zu entziehen. Zudem ist der Kalifornier bei bester Stimme. Der mittlerweile 66-Jährige hat nach wie vor jene sanfte Ausdruckskraft und seine Stimmbänder wurden weitestgehend von Altersbrüchigkeit verschont. Ein wenig dunkler ist die Klangfarbe, was den Songs nicht schadet, im Gegenteil, dadurch gewinnen sie an emotionaler Tiefe noch hinzu. Wiederholt wird Browne von herrlichen weiblichen oder männlichen Chorstimmen umgarnt. Bei dem Titel „Here“ erhält er gesangliche Unterstützung von Jonathan Wilson, der einfühlsame Harmonien singt.

In dieser ausgezeichneten Form hätten wir kein neues Jackson Browne-Album erwartet, es hat jenen Flair der 70er-Jahre, ohne wirklich nostalgisch zu werden, vielmehr wird es in aktuelle Americana-Klänge gehüllt. „Standing In The Breach“ steht auf beiden Beinen, schwebt aber auch in sonnigen Gefilden und lässt einen in wundersame oder nachdenkliche Tagträume verfallen. Endlich ist Jackson Browne auch als Studiointerpret wieder in oberen Regionen angekommen!

Anspieltipps:

  • The Birds Of St. Marks
  • The Long Way Around
  • If I Could Be Anywhere
  • Walls And Doors
  • Standing In The Breach
  • Here

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8.5/10

Rough And Rowdy Ways
  • 2020    
Diskutiere über „Jackson Browne“
comments powered by Disqus