Till Brönner - The Movie Album - Cover
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Till Brönner The Movie Album


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Brönner macht den Cineasten, bleibt dabei aber jedwede Kreativität schuldig.

„Wir sind alle mit Filmen aufgewachsen, die uns im Kopf geblieben sind. Ich bin zwar kein wandelndes Filmlexikon, doch ich glaube, dass spezielle Filmmomente auch mich und meine Musik immer mitgeprägt haben.“ Da wundert es dann auch tatsächlich nicht, dass Till Brönner den Cineasten in sich herauslässt und für sein neues Album musikalische Highlights und „Highlights“ der Filmgeschichte in klassischem Gewand neu aufsetzt.

Zugegeben, die Songauswahl zeigt zumindest, dass Brönner vor keiner Epoche, keinem Genre und keinem Künstler Halt gemacht hat und sich rigoros an alles heranwagt, was in den letzten Jahrzehnten cineastischen Rang und Namen hatte. Von „Miami Vice“ bis „Breakfast at Tiffany’s“, über „Casablanca“ hin zu „Ich - Einfach Unverbesserlich 2“ (oder „Despicable Me 2“, wie der Film im Original weitaus weniger peinlich betitelt wird) - Brönner deckt alles ab.

Das klingt zunächst nur allzu interessant. Songs aus vielen verschiedenen Stilen neu zu arrangieren und das Ganze unter dem Motto Filmmusik zu veröffentlichen, ist eine durchaus brauchbare Idee, zumal man Brönner tatsächlich zu den Talentiertesten seines Fachs zählen darf, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wie bei „normalen“ Cover-Versionen auch, gilt es hier jedoch, den Charme des Originals zu bewahren und gleichzeitig seine eigene, in diesem Fall klassische, Note einfließen zu lassen. Und hier liegt das Problem.

Da ist das schöne „Stand By Me“, getragen von Gregory Porters warmer Stimme. Brönners Trompete trompetet nur sehr schüchtern und wohldosiert. Diese angenehmen Akzente tun dem Song außerordentlich gut, so dass man am Ende quasi nichts zu meckern hat, sich aber doch die Frage stellt: Warum Brönner, wenn ich auch Ben E. King haben kann? Ähnlich verhält es sich mit „Raindrops keep falling on my head“, bei dem Brönner selbst zum Mikro greift.

Zu oft bleibt Brönner eine wirkliche Eigenständigkeit bei den Songs schuldig. Das ist an sich schon als Kunststück zu begreifen, da man meinen sollte, ein klassisches Arrangement verpasst jedem Song einen neuen Anstrich. Leider reicht es nicht, die Instrumente zu verändern und einen erfolgreichen Song wiederholt einzuspielen, um den neuen Versionen eine Daseinsberechtigung zu verschaffen. Die meisten Tracks hat man im Original schon deutlich besser und - viel schlimmer - auch deutlich interessanter gehört. Für die Heldentat, „My Heart Will Go On“ von Kanadas Lieblingssirene Celine Dion zu erlösen, sei an dieser Stelle dennoch aufrichtige Dankbarkeit geäußert.

Anspieltipps:

  • Crockett’s Theme
  • Raindrops Keep Falling On My Head

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